An der Arche um Acht
Kinderstück von Ulrich Hub für Menschen ab 5 Jahren
Premiere am 31. Oktober 2010 | Großes Haus
Drei Pinguine langweilen sich im ewigen Eis. Man beginnt zu streiten. Riechen Pinguine nur ein wenig oder stinken sie nach Fisch? Darf man Schmetterlinge abmurksen? Gibt es Gott? Plötzlich fliegt eine Taube herbei. Sie überbringt eine wichtige Nachricht: Gott höchstselbst plant eine gewaltige Sintflut, um auf der Erde einen Neuanfang zu wagen! Er hat es satt, den im Streit liegenden Menschen und Tieren länger zuzusehen! Die Krux des göttlichen Vorhabens: Jede Tierart erhält nur zwei Tickets für die rettende Arche Noah. Die Pinguine haben nun ein echtes Problem. Wer von ihnen darf überleben, und wer soll ertrinken? Und warum? Wieso lässt Gott so eine Ungerechtigkeit zu? Und außerdem, wo ist er überhaupt? Das watschelnde Trio gibt nicht so schnell auf. Schließlich sind Pinguine Überlebenskünstler und rücken nicht nur, wenn es arschkalt wird, mit dem Hinterteil zusammen. Doch damit sie gemeinsam in das Innere des schwimmfähigen Kastens (lat. arca) gelangen, muss ein Trick her …
Das humorvolle Kinderstück glänzt durch Leichtigkeit im Umgang mit großen philosophischen Themen. Mit viel Wortwitz nimmt der Autor Ulrich Hub den biblischen Mythos von der Sintflut zum Anlass, um über Glauben und Nichtglauben, über höhere Gebote und Selbstbestimmung, über Solidarität und Freundschaft nachzudenken. »An der Arche um Acht« wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Kindertheaterpreis 2006.
Regie:
Arnim Beutel
Ausstattung:
Wilfried Buchholz
Der dritte Pinguin
Thüringer Allgemeine, 09.11.2010
Beflügelnd: Das Theater Rudolstadt spielt „An der Arche um acht“ – auch in Nordhausen Von Frauke Adrians
Es schüttet, es gießt, die Sintflut kommt. Noahs Arche hat Platz für zwei Tiere jeder Art. Und die Pinguine haben ein Problem: Sie sind zu dritt. Im Theater RudoIstadt erschwindeln sich die Frackträger den zusätzlichen Platz an Bord – und sind gerade noch rechtzeitig „An der Arche um acht“.
Ulrich Hubs witziges und philosophisches Pinguin-Drama ist erst vier Jahre alt und schon auf dem Weg zum Kindertheaterklassiker. In Rudolstadt hat Arnim Beutel eine muntere musikreiche Inszenierung auf die Bühne gebracht, die den Pinguin-Darstellerinnen Laura Göttner, Miriam Gronau und Ulrike Knobloch einigen Körpereinsatz abverlangt: Pinguine schlittern nun mal bevorzugt bäuchlings über ihre Eisschollen. In Rudolstadt verprügeln sie einander außerdem mit toten Fischen, weil sie sich in ihrer Schnee-und-Eis-Ödnis wegen grundsätzlicher Fragen in die Federn kriegen. Wenn die Antarktis von Gott. geschaffen wurde, warum hat der sich dann nicht mehr Mühe gegeben? Wieso können Insekten fliegen, Pinguine aber nicht? Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Und schließlich: Darf man jemanden ertrinken lassen, weil er einen Schmetterling plattgesessen hat und sich auch sonst daneben benimmt? Das Theater RudolStadt empfiehlt „An der Arche um acht“ für alle ab fünf. Das sollten Eltern und Erzieherinnen wörtlich nehmen; an noch kleineren Kindern gehen die Lebens und Glaubensfragen, aber auch der Dialogwitz des Stückes weitgehend vorbei. Langweilig wird die gut einstündige Komödie aber auch den Kleinsten nicht denn auf der von Wilfried Buchholz gestalteten Bühne die sich im Kulissenumdrehen von einer Eislandschaft in die Arche Noah verwandelt, ist viel los. Und während die Pinguine durchaus mehr aus ihren Rollen machen könnten – vor allem Miriam Gronau bleibt ein wenig blass -, überzeugt der Tauberich sofort. Rayk Gaida ist spitze in der Rolle des selbstmitleidigen genervten Gottesboten, der vor lauter Stress als Arche-Koordinator immer das Wichtigste vergisst. „An der Arche um acht ist“ ein hintergründiger Spaß auch für Erwachsene. Ihren Kindern sollten sie die Geschichte von Noahs Arche schon vorher erzählen – dann haben alle mehr vom Stück.