Premiere am 16. März 2012, Großes Haus
»Coscoletto« ist eine Opéra comique, uraufgeführt 1865 nicht etwa in Paris, sondern im Theater von Bad Ems. Jacques Offenbach war in diesem Kurort mehrfach zu Gast, um seine Gicht- und Rheumaschmerzen zu lindern. Sein köstlicher Opern-Mix aus Boulevard und commedia dell’arte, versehen mit einer kräftigen Dosis schwarzem Humor, ist heute fast vergessen. Dank der schon traditionsreichen Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Mainz ist das heitere Werk des Operettenkönigs im Theater Rudolstadt in der Inszenierung von Katharina Thoma neu zu erleben.
Mehr als Makkeroni
Ostthüringer Zeitung, 19.03.2012
Premierenjubel über Jacques Offenbach Coscoletto oder Die vergiftete Nudel in Rudolstadt. Gelungene Gemeinschaftsproduktion mit der Hochschule für Musik Mainz. Von Hans Lehmann
An seinen Wirkungsorten hat Jacques Offenbach Spuren hinterlassen. Auf der Flucht vor Steuerfahndern 1865 in Ems, wo er bereits früher weilte und komponierte, war es damals der Zweiakter "Coscoletto oder Die vergiftete Nudel". Die komische Operette erlebte nur wenige Aufführungen in Deutschland sowie Wien und Budapest und wurde erst 1960 in Brno wieder neu entdeckt. Am Freitag nun hatte das lange vergessene Werk Premiere im Theater Rudolstadt. Die Inszenierung ist in der Regie von Katharina Thoma das Ergebnis erneuter Kooperation mit der Hochschule für Musik Mainz mit den Thüringer Symphonikern unter Leitung von Oliver Weder. Welch köstliches Spektakel geht da über die Bühne: eine Komödie mit Puppenspiel und Scharaden in Neapel vor dem launigen Vesuv im Hintergrund. Als Rahmen dienen symbolisch angedeutete Bühnenbildelemente (Winfried Buchholz) und eine ebensolche leicht identifizierbare Kostümierung (Irina Bartels).
Worum geht es? Herumtreiber Coscoletto singt im Auftrag des Liebhabers Polycarp täglich der Nudelhändlergattin Mariana Frangipany Ständchen. In Wirklichkeit gelten die Lieder aber dem von ihm angebeteten Blumenmädchen Delfina, die weder lesen noch schreiben kann. Doch die attraktive Gattin Mariana hat noch weitere Verehrer, zum Beispiel den Apotheker Arsenico. Das dramatische Päckchen ist somit geschnürt, ein Versteck- und Intrigenspiel kann beginnen bis hin zum vermeintlich vergifteten Nudelessen aller Beteiligten.
Was da mit der Ouvertüre komödiantisch virtuos beginnend in Szene geht, erinnert ans einstige Milieu der Reichen im nachbarlichen Umfeld, erst recht in dieser Lesart mit den jungen Leuten als brillante Sängerdarsteller: der Coscoletto von Radoslava Vorgic bezaubernd gesungen und gespielt mit klar leuchtenden Koleraturen einer Soubrette. Maren Kroll als raffinierte Diva Mariana und Lisa Rau nicht minder beeindruckend als allmählich aufmuckende Delfina, Marc-Eric Schmidt, ein rational intrigierender Apotheker; des weiteren Polycarp (Julius Vecsey), zuweilen sich als Held gebend sowie Florian Küppers als burschikose Bass-Buffo-Figur. Ein kleiner Chor (Veronika Lutz, Lisa Rau, Friedgard Teschemacher, Andreas Drescher und Thomas Wagner) vervollständigt das Ensemble und sind als Wechselbesetzungen für die Hauptrollen benannt. Die Mainzer Hochschule kann also aus dem Vollen schöpfen sowohl solistisch als auch in den Ensembleszenen mit köstlichen Regieeinfällen ein Griff ins volle Menschenleben voll hintergründigen Humors zum inspirierenden Orchester. Immer wieder Applaus auf offener Szene bis zum Ende, dem Hymnus auf die Makkaroni. Nicht ohne Grund findet neben den noch ausstehenden Aufführungen am 17. Juni ein Gastspiel im Entstehungsort Bad Ems statt.
"Coscoletto oder die vergiftete Nudel"
Rezension für MDR-Figaro am 19.03.2012
Opéra comique in zwei Akten von Jacques Offenbach Von Dieter David Scholz
Meist werden die immer gleichen vier, fünf Stücke gespielt. Das kleine Theater im thüringischen Rudolstadt hat den Mut, einmal eine fast nie gezeigte Opéra comique von Offenbach auf den Spielplan zu setzen: "Coscoletto oder die vergiftete Nudel". Die Produktion dieses Zweiakters ist eine Koproduktion mit der Hochschule für Musik, Mainz.
"Coscoletto" ist ein Tunichtgut, ein "Lazzarone", wie die Neapolitaner solche Männer nennen. Das Stück ist ein Zweiakter, also nicht ganz abendfüllend, aber doch immerhin anderthalb Stunden mit Pause dauernd. Offenbach hat diesen Zweiakter 1865 für Bad Ems geschrieben. Im damals mondänen Kurbad amüsierte sich allsommerlich die elegante Welt mit Offenbach. Das Stück an sich ist keine typische Offenbachiade, also keine Mythenpaodie, auch keine Gesellschaftssatire, sondern eine der Comedia dell Arte verpflichtete, neapolitanische Komödie um erotische Begehrlichkeiten und die Untiefen des Lebens. Zwei Frauen stehen im Mittelpunkt, die Blumenhändlerin Delfine, um sie bemüht sich Coscoletto. Und dann gibt es Mariana, die unbefriedigte Frau eines alten Makkaronihändlers. Sie wird gleich von Mehreren begehrt, von Darmseitenfabrikanten Polycarp und vom Apotheker Arsenico. Nur nicht von Coscoletto, auf den sie ein Auge geworfen hat. Es kommt zu allerhand Verkleidungen und Verwicklungen. Der Vesuv bricht zwischendurch Mal aus. Der Ehemann von Mariana soll aus der Welt geschafft werden. Von Fischern ersäuft, in den Vesuv gestürzt, oder noch besser: vergiftet werden. Dafür ist der Apotheker zuständig, der schon den Hund Polycarps vergiftete, was Anlass eines köstlichen Hundecouplets ist. Am Ende treffen sich - wie das Leben so spielt - alle in der Küche Marianas zum Makkaroni-Essen. Als bekannt wird, dass die Nudeln angeblich vergiftet sind, beichtet man sich seine Sünden und verzeiht sich angesichts des nahen Todes. Bis sich herausstellt, dass die Nudeln nicht mit Gift, sondern nur mit einem harmlosen Schlafmittel zubereitet wurden. Ende gut alles gut.
Regisseurin Katherina Thoma hat im Rahmen des Möglichen, bei einer Koproduktion mit einer Musikhochschule, das charmante Stück ein wenig à la Comedia dell´Arte inszeniert, leider nicht in entsprechenden Kostümen. Wieder einmal müssen die Fünfzigerjahre herhalten. Die Personenführung hat durchaus Witz und Tempo. Das Tanzbein wird geschwungen. Über harmlose Travestie-Einlagen darf geschmunzelt werden. Tierpuppen amüsieren das Publikum besonders, etwa beim Hundecouplet, bei dem kein Auge trocken bleibt angesichts der singenden Vierbeiner. Es gibt natürlich, wie das so ist an Musikhochschulen, nicht nur wirkliche Begabungen und Talente, sondern auch solche, die eigentlich keine sind. Dazu würde ich den Bühnenbildner rechnen. Aber der spielte eigentlich in diesem Stück ohnehin die unwichtigste Rolle. Wichtiger sind die Sänger. Und die Musiker. In Mainz wurden die Sänger dieser Koproduktion nur von 2 Klavieren begleitet. In Rudolstadt von einem richtigen, und keinem kleinen Orchester, der Thüringer Symphoniker Saalfeld Rudolstadt, die unter Leitung ihres Musikdirektors Oliver Weder spielte. Und das Orchester spielt in dieser Aufführung eigentlich die Hauptrolle.
Oliver Weder outet sich als begeisterter Offenbachianer. Das Orchester sprüht nur so von Temperament und Witz. Man freut sich, zu erleben, wie da in der sogenannten Provinz, an einem Theater, das ja keineswegs auf Operette oder Offenbachiade spezialisiert ist, diese schwungvolle, intelligente, ein wenig frivole, aber doch kunstvoll-subtile Musik lebendig wird. Und da zeigt sich wieder einmal, wie sehr die Musik Offenbachs ganz wesentlich vom Orchester lebt. Das kann man nicht ersetzen durch Combo-Band oder Klavier. Im Orchester vor allem findet ja das geistreiche Spiel mit den Anspielungen, Zitaten, Verfremdungen und Parodien statt. Oliver Weder hat dafür genau das richtige Gespür oder das, was man "ein Händchen" nennt. Die Musiker haben ihr Vergnügen, und das Publikum ganz offensichtlich auch.
Die Aufführung ist aber sängerisch ein Vergnügen. Denn unter den sechs Gesangs-Solisten gab´s in der Premierenbesetzung immerhin drei wirklich sehr begabte junge Sängerinnen und Sänger. Drei tolle Darsteller, die des Coscoleto, der Delfina und des Arsenico, drei Entdeckungen, wenn man so will, in einer Hochschulaufführung mit sechs solistischen Partien. Das ist schon ein sehr guter Schnitt. Es gibt also Nachwuchs - auch und gerade in Sachen Operette und Offenbach. Und wer Offenbach liebt, sollte sich die Aufführung dieses selten gespielten Stücks in Rudolstadt schon der Musik wegen nicht entgehen lassen.
Jacques Offenbach: "Coscoletto oder Die vergiftete Nudel"
Deutschlandfunk Musikjournal am 19.03.2012
Theater Rudolstadt, Hochschule für Musik Mainz, Premiere am 16. 3. 2012, Von Irene Constantin
Wie in jeder anständigen Oper gibt es auch in Jacques Offenbachs „Coscoletto“ einige Leichen. Der Untertitel „Die vergiftete Nudel“ deutet die Tragik des Geschehens an. Tröstlicherweise sind die Verblichenen ein Hund, mehrere Hühner, ein Schweinchen und eine Ratte. Sie kamen zu Tode, weil, erstens, der Apotheker Arsenico seine Giftmischung am Klappmaulpuppen-Hund des Rivalen um die schöne Mariana ausprobiert hat und weil, zweitens, ein Hilfskoch einen Topf voller - durch ebenjenes Gift gewürzter Makkaroni - heimlich aus dem Fenster in den Hühnerhof der Nachbarschaft entleerte. Die Nudeln rochen ihm nicht so gut.
Was alles an hanebüchenen, komischen und unwahrscheinlichen Verwirrungen und Verwechslungen geschieht, bis sich die beteiligten Personen einander verzeihend in den Armen liegen, weil sie sich dem Tode durch vergiftete Nudeln nahe glauben, ist unmöglich nachzuerzählen. Die sechs munteren und wortreich streitsüchtigen Neapolitaner sind die schöne Nudelköchin Mariana und ihr Ehemann Frangipani, Marianas beide Verehrer Arsenico und Polycarp sowie die Nachbarin Marianas, das kleine Blumenmädchen Delfina und ihr Anbeter, der Herumtreiber Coscoletto. Der Höhepunkt aller Turbulenzen ist ein Ausbruch des Vesuvs - darunter taten es Offenbachs Librettisten Charles Nuitter und Etienne Tréfeu nicht.
Die Rudolstädter Ausstatter Wilfried Buchholz und Irina Bartels versetzten die volkstümlichen Figuren, hinter denen man unschwer die altbewährten Spaßmacher Arlecchino und Colombina, Pantalone und Konsorten erkennt, in die 50er Jahre und siedelten sie um ein Plätzchen mit Häuschen aus buntbemalten Vorhängen an.
Die anarchisch amourösen neapolitanischen Späße zwischen Gift und Vulkanausbruch amüsierten eine mondäne Gesellschaft - die Kurgäste vom Sommer 1865 in Bad Ems. Mit etwas mehr Musik als Offenbachs winzige Einakter boten und mit deutlich weniger Aufwand als eine ausgewachsene Oper benötigt, brachten zweiaktige heitere Werke wie „Coscoletto“ gerade das passende Maß an künstlerisch musikalischen Anspruch mit, um das kulturgewohnte, vor allem französische Publikum niveauvoll zu unterhalten. Zum Dinieren und für das Spielcasino blieb immer noch reichlich Zeit am Abend. Derartige Kur-Opern, von den Casinopächtern in Auftrag gegeben und im Kurtheater aufgeführt, waren begehrte Muggen, um die sich Komponisten wie Gounod, Berlioz, Leo Délibes und eben auch Offenbach, der selbst zehnmal in Bad Ems zur Kur war, gern bewarben.
Seine Rudolstädter Wiedergeburt verdankt das Werkchen der Kooperation mit der Gesangsklasse der Musikhochschule Mainz. Alle Rollen sind mit jungen Stimmen gut zu besetzen.
Um dem traditionell musikbegeisterten Rudolstädter Publikum hin und wieder auch Oper bieten zu können, ist das Theater mit den etwas disparaten Sparten Orchester und Schauspiel auf Kooperationen angewiesen. Das Theater Nordhausen bringt in der laufenden Saison zwei größere Musiktheaterproduktionen und ein Ballett nach Rudolstadt. Damit und mit dem von Intendant Steffen Mensching ambitioniert gestalteten Schauspiel hat das Haus eine Auslastung von 86 % erreicht und ist dank der sehr theaterfreundlichen lokalen Politiker bis 2016 in dieser jetzt existierenden Form finanziell gesichert.
Die Verbindung nach Mainz hat der Chef der Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt, Oliver Weder, zustande gebracht.
Oliver Weder (O. W.): Dort gibt es eine ganz ausgezeichnete Gesangsabteilung, die unser kleines Haus ja über anderthalb Jahrzehnte immer wieder mit Sängernachwuchs versorgt hat, sei es für den Konzertbetrieb oder auch in kleinen Musiktheaterproduktionen und da sind einfach Verbindungen gewachsen, von denen wir sehr profitieren und die für die Studierenden dort auch von großem Interesse sind, denn die werden hier eingebunden in einen normalen Produktionsprozess mit 8 Vorstellungen vor einem ganz regulären Abonnentenpublikum mit Dekorationen, Kostümen, Maske, alles was man eben so im Theater hat, was ein Studiobetrieb in einer Hochschule so nicht leisten kann.
Was den Mainzer Studenten an Bühnen-Routine fehlte, machten sie durch Frische und den im Spiel und Gesang gleichermaßen spürbaren Eifer, alles richtig und gut hinzukriegen, wett.
O. W.: Das Spielen und auch das Sprechen auf der Bühne - das sind Dinge, die man nicht unbedingt in der normalen Hochschulausbildung so gut lernen kann. Daher war es, glaube ich, auch ein Wunsch der Studierenden, einmal eine Operette zu machen. Und da bietet sich Offenbach wirklich an.
Radoslava Vorgic sang in der Hosenrolle des Coscoletto blitzblanke und himmelhohe Koloraturen, Marén Kroll als Mariana offenbarte neben der schönen Stimme vor allem komisches Talent und Florian Küppers als Frangipani hatte mit der parodistischen Variante einer hochdramatischen Opernszene einen beachtlichen Sing-Schauspielerischen Balanceakt zu bewältigen. Die pointiert quirligen, gar nicht so kleinen Ensembles erforderten durchweg Präzision und Disziplin und auch sie wurden mit Lust gemeistert.
Auch dem Orchester fordert Offenbach Schwierigkeiten ab, die auf den ersten Blick allerdings kaum erkennbar sind. Am einfachsten ist es noch rhythmisch korrekt aus dem Graben heraus zu bellen.
O. W.: Offenbach spielt man ja so durch. Da ist ja nichts dahinter und dann wird es aber ernst, weil ähnlich wie bei Rossini oder vielleicht auch bei Joseph Haydn man so doch ziemlich nackt auf dem Tablett sitzt, d.h. auch feinste Unsauberkeiten feinste handwerklich Fehler werden hier erbarmungslos vorgeführt. In dem Sinne ist das schwieriger zum Beispiel sogar als ein Mozart.
Die durch die Arbeit mit den unroutinierten Studenten ohnehin nötige konzentrierte Probenarbeit zahlte sich auch im Orchestergraben durch eine schöne Leichtigkeit des Klanges aus. Am Ende war es ein entspannt heiterer und unbeschwerter Abend.
(Red. Frank Kämpfer)
Operette "Coscoletto" feiert Premiere im Theater Rudolstadt
Thüringer Allgemeine, 21.03.2012
Die selten gespielte Operette "Coscoletto" von Jacques Offenbach hatte seine erfolgreiche Premiere im Theater Rudolstadt. Die Inszenierung ist ein erneutes Gemeinschaftswerk mit der Musikhochschule in Mainz. Von Ursula Mielke
Rudolstadt. Wenn ein Komponist wie Jacques Offenbach in Bad Ems ausgiebig Gicht und Rheuma kuriert, geht er nebenbei nicht nur seiner Spielleidenschaft nach, sondern bringt auch en passant ein paar musikkomödiantische Töne zu Papier. Getreu dem Motto "Drum lasst die Saiten tönen für die Schönen" verabreichte Jacques Offenbach 1865 dem Publikum mit der Operette "Coscoletto oder Die vergiftete Nudel" eine spritzige Dosis Humor.
Von deren heilender Wirkung ließen sich jetzt auch Studenten der Musikhochschule Mainz in Kooperation mit dem Theater Rudolstadt anstecken und heimsten bei den ersten beiden Aufführungen lang anhaltenden Applaus ein.
"Coscoletto" ist also ein ähnlich erfolgreiches Zeugnis guter, sinnvoller Zusammenarbeit wie zum Beispiel die deutsche Erstaufführung der Solér-Oper "Der gutherzige Griesgram" von 2006, als der künstlerische Handschlag zwischen Rudolstadt und Mainz ebenfalls ausgezeichnet funktionierte. Was ist drin in der schmissigen Medizin nach Noten? Zunächst eine schwerelose Ouvertüre, die alle wesentlichen Aspekte der Offenbachschen Musik in hohem Tempo wirkungs- voll komprimiert. Dies sind eine schwirrend plappernde sowie sich nachtstückhaft entfaltende Melodik, federnde Rhythmen, spitze Pizzicati. Alles mündet ein in eine zünftige, rasante Stretta. Mit diesen sinnenfreudigen Elementen kamen die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt unter Oliver Weder bestens zurecht.
Die Regisseurin Katharina Thoma, die seit 2008 szenische Gestaltung in Mainz lehrt und im kommenden Jahr Regie-Gast beim englischen Glyndebourne-Festival sein wird, animierte die Studenten nicht nur zu einem pfiffigem Spiel, sondern zeigte im Verbund mit Wilfried Buchholz (Bühne) und Irina Bartels (Kostüme), welche große Freude einfachste szenische Mittel bereiten können,wenn sie exakt platziert sind.
Die hingebungsvolle Arbeit aller Seiten galt einem Werk, in welchem die eigentlich an das Blumenmädchen Delfina (Sujin Yang) gerichteten Liebesbriefe des Herumtreibers Coscoletto (Radoslava Vorgic) die Adressatin verfehlen und in die Hände der Frau des Makkaronihändlers Frangipany (Andreas Drescher) fallen.
Gefühlchaos löst Lavaströme aus
Diese lebenslustige Mariana (Marén Kroll) begehren zudem der Drogist Arsenico (Marc-Eric Schmidt) und Polycarp (Julius Vecsey), im Hauptberuf Darmsaitenfabrikant. Das Gefühls-Chaos ist daraufhin so komplett, dass der auf dem hinteren Bühnenprospekt hingetuschte Vesuv ausbricht. Dessen Lavaströme finden ihren kräftigen Widerhall in den Stimmen der Sängerinnen und Sänger. Allein die Bass-Partie überforderte den Makkaroni-Mann hinsichtlich ihrer altväterischen Charakteristika. Köstliche Kabinettstückchen wie das handfeste Makkaroni-Lied, das von Messer und Nudelholz assistierte Wut-Duett zwischen Delfina und Fangipany, das Ensemble-Finale des ersten Aktes und das umwerfende "Hunde-Couplet" Polycarps provozierten beim Publikum spontan herzhafte Lacher.
Dass sich die vergiftete Nudel als mit einem Schlafmittel gewürzt entpuppt, ist gut. Über Arsenicos Ansicht "Ich schätze mehr die Kunst der Liebe als die Liebe zur Kunst" müsste man angesichts der erfreulichen Premiere nochmals nachdenken.