Der Zauberlehrling und sein Handschuh
Ein Schiller-Goethe-Balladenabend
Premiere am 25. Februar 2012, Schminkkasten
»Walle, walle, manche Strecke ...«, »Halb zog sie ihn, halb sank er hin.«, »Den Dank, Dame, begehr ich nicht!«. Diese Zeilen gehören zu den geflügelten Worten der deutschen Umgangssprache. Geschrieben haben sie nicht irgendwer, sondern die Dichterfürsten Goethe und Schiller. Kein Autorenpaar hat sich – trotz aller persönlichen Distanz – in seinem Schaffen gegenseitig so gefordert und gefördert wie die beiden. Das Jahr 1797 – in die Literaturgeschichte eingegangen als das »Balladenjahr« – gilt als ein Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit. Goethe und Schiller produzierten im poetischen Wettstreit eine Reihe von Gedichten, die bis heute zu ihren populärsten zählen. Ob »Der Zauberlehrling«, »Der Schatzgräber«, »Der Handschuh«, »Die Kraniche des Ibykus«: Balladen, anschaulich und spannend erzählt, meist mit einer guten Schlusspointe und leicht zu memorieren, gehörten stets zum Kanon des deutschen Bildungsbürgers. Schulkinder von der Kaiserzeit bis zum Sozialismus übten so die Kunst der Rezitation. 223 Jahre nach ihrer Erstbegegnung in Rudolstadt laden wir zum großen Schiller-Goethe-Balladenduell in den Schminkkasten ein und hoffen: Hier wendet sich kein Gast »mit Grausen«!
Übrigens: Für Goethe war die Ballade das »lebendige Ur-Ei«, das alle Möglichkeiten der Poesie in sich enthalte, das Lyrische, das Epische, das Dramatische. Und er hatte Sorge, dass seine Geschichten neben den effektvollen von Schiller nicht bestehen können, denn Schiller »ist zu dieser Dichtart in jedem Sinne mehr berufen als ich«.
Spieldauer: 1 h 50 | Eine Pause
Regie
Alexander Stillmark
Bühne und Kostüme
Volker Pfüller
Musik
Udo Hemmann
Mit
Verena Blankenburg
, Marcus Ostberg
, Laura Göttner
Musiker
Udo Hemmann
Weitere Termine:
21.05.2012 11:00 Rudolstadt, Schminkkasten
22.05.2012 11:00 Rudolstadt, Schminkkasten
23.05.2012 09:00 Rudolstadt, Schminkkasten
23.05.2012 12:00 Rudolstadt, Schminkkasten
09.06.2012 20:00 Rudolstadt, Schminkkasten
Unterhaltsame Deutschstunde im Rudolstädter "Schminkkasten"
Ostthüringer Zeitung, 27.02.2012
Die großen Balladen der deutschen Klassik stießen und stoßen bei Generationen von Schülern nicht zwangsläufig und nicht immer auf große Gegenliebe. Wie unterhaltsam und interessant die opulenten Dichtungen aber eigentlich sein können, beweist jetzt ein Balladen-Abend im Rudolstädter Schminkkasten. Von Hartmut Gerlach
Rudolstadt. Ob die Erinnerungen an die Schulstunden, in denen Balladen von Goethe und Schiller behandelt wurden, immer die besten sind, kann nur jeder selbst beantworten. Wenn die Schauspieler Verena Blankenburg, Laura Göttner, Marcus Ostberg mit dem Musiker Udo Hemmann im Deutschunterricht aufgetreten wären, hätte die Beschäftigung mit den Balladen möglicherweise noch mehr Freude bereitet. Denn was dieses Quartett am Samstag auf der kleinen Bühne im Rudolstädter Theater-Schminkkasten unter Regie von Alexander Stillmark (Ausstattung: Volker Pfüller) bot, war unterhaltsam und abwechslungsreich. Dabei wurden mit Augenzwinkern auch nicht so bekannte biographische Begebenheiten erzählt.
Wenn Udo Hemmann seinen Instrumenten, darunter sogar einer funkensprühende Sense, ungewöhnliche Töne entlockt, dann spürt man, wie der Löwe in "Der Handschuh" die Arena betritt, sich der Edelknecht in "Der Taucher" todesmutig in die Fluten stürzt oder sich die drei Schauspieler bemühen, den Besen in "Der Zauberlehrling" zu bändigen.
Dass die "Deutschstunden" jeweils gerade 45 Minuten dauerten, war wohl eher Zufall. Dass das altersmäßig gut gemischte Premierenpublikum bei der Ankündigung von "Die Kraniche des Ibykus, "Der Erlkönig" oder "Die Bürgschaft" von Ballade zu Ballade immer erwartungsvoller wurde, konnte man spüren.
Mehr als zehn Minuten lang Applaus und eine Zugabe mit gemeinsamem Gesang vom "Heideröslein" waren der verdiente Lohn für die Akteure. Es scheint ratsam, sich rechtzeitig Karten für die nächsten Aufführungen zu sichern. Denn man kann erwarten, dass die Lehrer ihren Unterricht demnächst in den "Schminkkasten" verlegen werden.