Achterbahn
Komödie von Eric Assous
Premiere am 14. Januar 2012, Schminkkasten
Das könnte ein schöner Abend werden, muss Pierre gedacht haben, als er in einer Bar mit Juliette ins Gespräch kam. Sympathie auf den ersten Blick, der Altersunterschied kein Problem. Er lädt sie zu sich nach Hause ein, auf einen Drink. Alles scheint perfekt für einen gelungenen Seitensprung. Dann stellt die junge Dame verwirrende Fragen. Sie sind verheiratet? Lieben Sie Ihre Frau? Gehen Sie öfter fremd? Pierre wird ungeduldig und ist geschockt, als ihm Juliette gesteht, sie sei Prostituierte und habe ihn sich gezielt geangelt. Wenn sie die Nacht bei ihm bleibt, kostet es 500 Euro. Der enttäuschte Galan zögert. Als er das Geld hingeblättert hat, ändert die junge Frau erneut ihre Taktik und gibt sich als feministische Journalistin aus. Sie schreibe über die Freier der Großstadt. »Es geht darum, das seltsame Tier Mann besser zu verstehen«. Und damit nicht genug, hat sie natürlich ihre gesamte Unterhaltung mit einem Diktiergerät aufgezeichnet. Doch war auch die Reportage nur ein Trick. Das Verwirrspiel um Juliettes wahre Identität geht in die nächste Runde. Welche Katze lässt sie als nächstes aus dem Sack?
»Les montagnes russes«, so der Originaltitel, 2004 in Paris mit Alain Delon in der Hauptrolle uraufgeführt, brilliert mit raffiniertem Handlungsaufbau und umwerfendem Wortwitz. In einer gelungenen Mischung aus Enthüllungsdrama und Verwirrspiel deckt Eric Assous nach und nach die heimlichen Fantasien eines alternden Ehemannes auf.
Spieldauer: 1 h 30 | Eine Pause
Regie und Ausstattung
Katka Schroth
Er
Matthias Winde
Sie
Laura Göttner
Sie 2,3,4 Verena Dütthorn, Ronja Rausch, Julia Marie Wendl
Weitere Termine:
18.05.2012 20:00 Rudolstadt, Schminkkasten
08.06.2012 20:00 Rudolstadt, Schminkkasten
Armer Mann
Ostthüringer Zeitung, 16.01.2012
Im Schminkkasten in Rudolstadt feierte am Sonnabend Eric Assous spritziges Verwirrspiel Achterbahn in der Regie von Katka Schroth seine bejubelte Premiere. Von Ulrike Kern
Seit 16 Jahren ist Pierre verheiratet und immer noch verliebt in seine Gattin. Doch da die Frau und der gemeinsame Sohn die Stadt für eine Urlaubswoche verlassen haben, stehen die Vorzeichen für ein amouröses außereheliches Abenteuer ganz gut. Der Zufall will es, dass den "um die 50-Jährigen" in einer mexikanischen Bar tatsächlich eine attraktive junge Frau halb so alt wie er anlächelt. Die beiden werden sich rasch einig. Er nimmt sie auf einen letzten Drink mit zu sich ins Appartment. Der Klassiker also, könnte man denken. Allerdings wird sich der Zuschauer ebenso wie die Hauptfigur den Verlauf des Abends wohl etwas anders vorgestellt haben, als er sich in Eric Assous Verwirrspiel "Achterbahn" dann zuträgt.
Die französische Komödie hatte am Sonnabend im Rudolstädter Schminkkasten Premiere. Ein vergnügliches, spannendes und unterhaltsames Theaterstück für die Zuschauer, während Pierre (Matthias Winde) immer mehr in die Bredouille gerät.
"Armer Mann", wird sich der männliche Zuschauer denken; "Geschieht ihm recht. Was hintergeht er auch seine Frau", wohl die Zuschauerinnen. Irgendwann hat jeder nur noch Mitleid mit diesem Mann, den Matthias Winde sehr überzeugend als durchaus sympathischen und charmanten Typ auf die Bühne bringt.
Laura Göttner ist ihm als Juliette eine gewitzte und ebenbürtige Gegenspielerin. Sie bleibt die Strippenzieherin. Im Viertelstundentakt ändert sie ihre Persönlichkeit und führt den Möchtegern-Casanova gehörig aufs Eis. Was und wer sie wirklich ist, bleibt bis zum Schluss die alles entscheidende Frage: Eine moralisch Entrüstete, eine teure Prostituierte bei ihrer Arbeit, eine durchgeknallte Journalistin, die Männer erforscht, oder eine von der Ehefrau geschickte Detektivin?
Dass Juliette viele Rollen spielt und Pierre damit um den Verstand bringt, hat Regisseurin und Ausstatterin Katka Schroth unter anderem originell mit drei Statistinnen dargestellt. Obendrein zeichnet sich "Achterbahn" durch exakt gezeichneten Charaktere, durch einen raffinierten Handlungsaufbau und eine gewisse französische Eleganz aus.
Im intimen Rahmen des Schminkkastens ist dieses Stück, das mal Komödie und mal Krimi ist und am Ende doch für Stille im Zuschauerraum sorgt, daher bestens angesiedelt. Katka Schroth beschränkt sich in der Ausstattung mit Deko-Vase, Sesseln, Tisch und einer Batterie Alkohol aufs Wesentliche, so dass sich die Zuschauer ganz auf Assous Wortwitz und die rasante Achterbahnfahrt der Gefühle konzentrieren können.
Das Rudolstädter Publikum bedankte sich am Sonnabend für diese toll gespielte und gelungen inszenierte Premiere mit reichlich Applaus.