5. Sinfoniekonzert
»Abschied und Aufbruch« - Werke von Denissow, Brahms und Tschaikowsky
10. Februar 2012 | 19.30 Uhr | Meininger Hof Saalfeld
11. Februar 2012 | 19.30 Uhr | Theater Rudolstadt
Edison Denissow | »Aquarell« für 24 Streicher (1975)
Johannes Brahms | Violinkonzert D-Dur op. 77 (1878)
Peter Tschaikowsky | Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74 »Pathétique« (1893)
Denis Goldfeld, Violine | Musikalische Leitung: Alexander Tschernuschenko
»Hier ist einer damit beschäftigt, den Sinn seines Lebens in Töne zu formen.« Klaus Manns Urteil über die »Symphonie Pathétique« – in seinem gleichnamigen Roman – lässt ein glückliches Resümee vermuten. Doch zog sich Tschaikowsky nach der von ihm dirigierten Uraufführung des Werkes verzweifelt zurück. Er habe, äußerte er, weder Orchester noch Publikum überzeugen können, dass dies sein bestes Werk sei und er nie mehr »etwas Besseres schreiben werde«. Wenige Tage später, am 6. November 1893, verstarb er unter ungeklärten Umständen. Die ausdrucksstarken vier Sätze der »Pathétique« sind sein Testament, ein Vermächtnis, das aus den Konzertsälen der Welt nicht mehr wegzudenken ist.
Im Gegensatz etwa zu Prokofjew, der am gleichen Tag wie Stalin starb, erlebte Edison Denissow die »Tauwetterperiode«, den kurzen kulturellen Aufbruch nach dem Tod des Diktators 1953. Denissow entwickelte einen Stil, der französischen Impressionismus und Avantgarde zusammendachte. Am Pult steht mit Alexander Tschernuschenko, dem Chefdirigenten des Sinfonieorchesters der Glinka-Kapelle St. Petersburg, ein exzellenter Kenner klassischer russischer Musik.
Beeindruckende Interpretationen
Ostthüringer Zeitung, 13.02.2012
Über das 5. Sinfoniekonzert der Thüringer Symphoniker am Freitag in Saalfeld von Hans Lehmann
Das 5. Sinfoniekonzert der Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt unter Leitung des Gastdirigenten Alexander Tschernuschenko wird wohl lange in Erinnerung bleiben.
Es begann mit "Aquarell" für 24 Streicher von Edison Denissow. 1975 komponiert noch in der Zeit sozialistischer Realismus-Doktrin löckt er damit gegen den Stachel. Atmosphärisch anmutende Strukturen von Zwölftonmusik solistisch und im Tutti harmonisch eng geschichtet. Achtung für die Musiker, sich dieser Anfgabe gestellt zu haben, eigentlich Musik für Spezialensembles um letzte Feinheiten klanglich auszudeuten.
Umso faszinierender anschließend die Wiedergabe des Konzertes für Violine und Orchester von Johannes Brahms mit Denis Goldfeld als Solist. Wie er sich dem teils dramatischen Impetus einfügte und mit kraftvoller Tongebung seinen Part gestaltete, lyrische Feinheiten inbegriffen, das beeindruckte einschließlich der virtuosen Kadenz von Jascha Heifetz im Geiste des Werkes. Eindringliches Melos im Adagio und vital im Finale zum Orchester wie aus einem Guss. Mit der Zugabe einer Allemande von Johann Sebastian Bach präsentierte er noch einmal seine Kunst spannungsvollen Musizierens.
Die Wiedergabe der Sinfonie Nr. 6 h-Moll "Pathétique" von Peter Tschaikowsky gedieh zu einem weiteren Höhepunkt, denn Alexander Tschernuschenko vermochte mit seiner gestisch klaren Zeichengebung ohne Taktstock alle jene innewohnenden Feinheiten, kraftvollen Steigerungen und vor allem Zäsuren so überzeugend zum Klingen zu bringen, dass man von Beginn an gefesselt wurde. Tänzerisch anmutende Melancholie und das Legato im Finalsatz, ein ungewöhnlicher Schluss für eine Sinfonie, biografische Legenden bildend allemal.
Das Orchester übertraf sich selbst und hatte allen Grund den Dirigenten zu feiern, das Publikum ohnehin.