Lieder und Geschichten aus dem prallen Leben mit Uschi Amberger und Toni Steidl
Premiere am 25. Februar 2011 | Schminkkasten
Lieder fürs Leben und ein Denkmal für die „Pumpe“
Ostthüringer Zeitung, 28.02.2011
Vom Publikum geliebt: Uschi Amberger und Toni Steidl mit ihrem Liederabend „Das glaubt mir doch kein Mensch“ Von Heike Enzian
Rudolstadt. Was denn schwerer sei, anzufangen oder aufzuhören. Das werde sie in letzter Zeit öfter gefragt, sagt Uschi Amberger. Dabei ist Aufhören für sie kein Thema. Jedenfalls nicht, solange das Publikum sie noch will. Und wenn einmal Schluss sein muss, dann will sie 90 sein, von ihrem Liebhaber erschossen werden und schon so taub sein, dass die den Schuss nicht mehr hört. So zumindest erfährt es der Zuhörer in ihrem neuesten Liederabend „Das glaubt mir doch kein Mensch“, zu dessen Premiere am Freitagabend der Rudolstädter Schminkkasten restlos ausverkauft war.
Manche Story, die das mehr als zweistündige Programm füllt, kennt der eingefleischte Uschi-Amberger-Fan schon. Etwa die von ihrer Hochzeitsfeier im Hotel Eberitzsch, von der sie vom damaligen Intendanten weg direkt auf die Rudolstädter Bühne geholt wurde. Oder die von dem Klavier ohne Tasten beim Auftritt zu einer Frauentagsfeier in Saalfeld. Doch so wie sie es erzählt, ist es jedesmal eine Entdeckung.
Das Publikum amüsiert sich prächtig, wenn die Bühnenfrau mit Herz und Seele davon erzählt, wie sie Flugangst mit Wodka bekämpfte, was sie über Männer denkt und dass sie von sämtlichen Diäten die Nase voll hat und nur noch „Verrückt nach Himbeereis“ ist, wie es in einem von Intendant Steffen Mensching eigens für sie geschriebenen Lied heißt. Und es wird sehr nachdenklich, wenn sie von einer Begegnung im Frauenhaus spricht und ein Lied ihrer Freundin Gisela Steineckert über eine junge Frau singt, die von ihrem Mann geschlagen wird.
„Wisst Ihr, was ich mir wirklich wünsche“, fragt sie zu Beginn des zweiten Teils des Abends: „Ich möchte noch einmal in meine Stammkneipe gehen: Die Pumpe. Die hieß nicht nur so, weil es hier früher wirklich mal eine Pumpe gab, sondern weil die Wirtin einen langen Stift hatte und anschrieb“, gibt sie den Jüngeren Nachhilfe. Sie setzt ihrem zweiten Zuhause in Rudolstadt ein Denkmal. Auch den drei Monteuren, die sie dort regelmäßig traf. Vor der Wende spendabel, dann ohne Job und pleite. „Was wird wohl aus ihnen geworden sein, aus dem Sigi, dem Ossi, dem Franz“, fragt sie, und die Antwort gibt das Lied „Plötzlich war alles ganz anders“.
Es wäre nicht Uschi, würde es nicht Sticheleien gegen die Obrigkeit und zu viel Angepasstheit geben, Lobbyisten keine Abfuhr kriegen und die kleinen Leute keinen neuen Mut. Und wenn sie ihrem großen Vorbild Claire Waldoff mit „Wer schmeißt denn da mit Lehm“ Respekt zollt, dann singt und klatscht das Publikum mit.
Der Abend geht nicht zu Ende ohne eine Liebeserklärung an ihren stetigen Begleiter am Klavier, Toni Steidl. Einen „Spötter, wie er im Buche steht“, nennt sie ihn, der sie erst versöhnen kann, wenn er Otto-Reutter-Lieder singt. Was er dann auch tut. Am Ende wissen die beiden Urgesteine des Rudolstädter Theaters einmal mehr: Das Publikum liebt sie, so wie sie sind. Und will noch ganz viel hören.