Liebe, Lust und tausend Tränen
Singspiel mit Küchenliedern & Schauerballaden | Gastspiel des theater-spiel-laden
Mit Gespür für Komik, Groteske und Phantasie hat der theater-spiel-laden ein Singspiel entwickelt, das amüsiert, animiert und vergnügt. »Liebe Lust und tausend Tränen« ist der Titel des schaurig-schönen Liederabends, der nach dem großen Sommertheatererfolg im Hof der Thüringer Bauernhäuser auch auf den Bühnenbrettern des Schminkkastens aufgeführt wird. Humoristisch liebenswert und absurd atmosphärisch spielen und singen die Mimen zu musikalischer Akkordeon-Begleitung durch einen Reigen aus Küchenliedern, Fabeln und Moritaten in bester Bänkelsänger-Manier. Dabei nahmen sie das Publikum mit in ferne Länder, an Tatorte grausamen Verbrechens und in Situationen zwischen Liebesleid und Liebesglück.
Das deutsche Singspiel findet seine Ursprünge im 18. Jahrhundert. Anfang des 19. Jahrhunderts erregte diese Form aus Schauspiel, Gesang und Tanz die Teilnahme seines Publikums, Seinem Wesen eigen sind Stoffe, die dem gewöhnlichen Leben entnommen sind und deren Inhalt auf leichte Art eine Darstellungsform findet. Die Wechselwirkung zwischen Musik und Komödie hält fest am Dialogischen und stellt das Sprachliche im Gesang heraus. Halb lustig halb anrührend findet das Singspiel an vielen Orten sein Podium: Als Jahrmarktstheater, auf Hinterhöfen, auf dem Land oder auf Marktplätzen wurde es besonders auch von wandernden Theatergruppen auf der Reise gespielt.
Spieldauer: 1h 45
Regie und Ausstattung Charlotte Kummerow
Es singen und spielen Michaela Hanke, Ursula Jahn, Jens Bähring, Frank Grünert, Wolfgang Frank (Akkordeon)
Hier kommen Sie direkt zum theater-spiel-laden
Theater mit Witz und überbohrender Spielfreude
Ostthüringer Zeitung, 18.07.2011
Begeistert waren die Besucher bei der Premiere des Stückes "Liebe, Lust und tausend Tränen" vom theater-spiel-laden in Rudolstadt. Von Sabine Wagner
Das tugendhafte Sabinchen aus Treuenprietzen muss als erste dran glauben, dann die Hulda, dann Schulpforta. Auch der fesche Bauernbursche, den seine Liebste auf Edelweiß-Suche in die Berge schickt, gehört sehr bald zu den Verblichenen.
Im neuen Stück des theater-spiel-laden Rudolstadt (tsl) wird gemeuchelt und gestorben, was das Zeug hält. Und nicht nur die Zuschauer fragen sich zur Premiere am Samstag im zauberhaften Areal der Thüringer Bauernhäuser: Gibt es kein Küchenlied, wo alle Jungfern ganz bleiben?
Natürlich gibt es auch diese volkstümlichen Lieder, Moritaten und Balladen, die von den Amateur-Schauspielern des tsl mit Witz, überbordender Spielfreude und erstaunlicher Professionalität gesungen, erzählt und persifliert werden. Ganz in der Tradition des deutschen Singspiels, das über Jahrhunderte auf Jahrmärkten und Kirchweihfesten über die Bühne ging. Damals allerdings zeigten die Sänger noch mit einem Stock auf Bilder, um das Geschehen zu illustrieren.
Gezeichnete Bilder brauchen Michaela Hanke, Ursula Jahn, Jens Bähring und Frank Grünert nicht. Begleitet von Wolfgang Frank am Akkordeon verwandeln sich die Gründungsmitglieder des tsl um Chef Frank Grünert in böswillige Wilddiebe, trauernde Witwen und derbe Bauernweiber, zanken sich wie die Kesselflicker, turteln zärtlich oder haschen sich auf einem Wäscheplatz, der als Spielort klug gewählt ist. Charlotte Kummerow legt mit ihrer ersten Regiearbeit eine intelligente Inszenierung vor, die weit davon entfernt ist, zu einem Nummernprogramm zu geraten. Zwar reihen sich die Moritaten der Bänkelsänger "das sind Leute, die auf Bänken stehen, um gesehen zu werden" wie Perlen an einer Kette. Doch jede baut auf der anderen auf und ist mit köstlichen Spielszenen verbunden. Zu einem der Höhepunkte wird die "Auswanderung der Tiere nach Amerika", die schnatternd, schnaufend, kriechend und sich gegenseitig knuffend um einen Platz auf dem Schiff streiten. Ein feiner Abend, der nach 90 Minuten (tolle Leistung) mit dem Auszug der Mimen zu "Sierra Madre" und dem herzlichen Beifall des Publikums zu Ende geht.