»Franz Liszt - Ein Europäer in Thüringen« - Werke von Wagner und Liszt
23. September 2011 | 19.30 Uhr | Meininger Hof Saalfeld
24. September 2011 | 19.30 Uhr | Theater Rudolstadt
Thüringen feiert den 200. Geburtstag von Franz Liszt. Wir feiern mit! Der Komponist, Dirigent, Theaterleiter und Schriftsteller Liszt löste mit seinem brillanten Klavierspiel eine einzigartige »Lisztomania« in Europa aus. »Liszt kennt keine Regel, keine Form, keine Satzung, er schafft sie alle selbst!«, schwärmt ein Zeitgenosse. Viele Jahre lebte der Künstler in Weimar und konzertierte dabei auch in Rudolstadt. Lev Vinocour avancierte in den vergangenen Jahren zum Liebling des Publikums in Saalfeld und Rudolstadt. Mit zwei hochvirtuosen Werken steht er für einen glanzvollen Auftakt der neuen Saison.
So wie wir heute Liszt ehren, verbeugte sich der Komponist einst vor Goethe. Zum 100. Geburtstag des Dichters schuf er als Auftragswerk eine sinfonische Dichtung, die am Beispiel des Renaissancedichters Tasso den Schicksalsweg eines großen Künstlers »durch Leiden zum Triumph« exemplarisch nachvollzieht. Mit Richard Wagner wurde Liszt um 1840 bekannt, kurz bevor dieser seinen »Rienzi« in Dresden zur Uraufführung brachte. Die Freundschaft der beiden ungleichen Meister kannte Höhen und Tiefen. So sehr er den jüngeren Kollegen schätzte, Wagners Begeisterung für seine Tochter Cosima ging Liszt entschieden zu weit. Wir würdigen die Familienbande mit der populären Rienzi-Ouvertüre.
Mit Liszt von Ungarn bis Spanien
Thüringer Allgemeine, 26.09.2011
Symphoniker hatten Lev Vinocour zu Gast Von Frauke Adrians
Rudolstadt. Franz Liszts 200. Geburtstag steht noch bevor, aber eines der schönstmöglichen Konzerte zu seinen Ehren gab es schon am Wochenende. Vor restlos ausverkauften Häusern - einmal in Saalfeld, einmal in Rudolstadt - feierten die Thüringer Symphoniker und der Pianist Lev Vinocour den Europäer Liszt mit einer ungarisch-deutsch-spanisch-italienischen Reise durchs Werkverzeichnis.
Wer mit dem Namen Liszt pianistische Zirkusnummern assoziiert, sollte sich von einem Pianisten wie Lev Vinocour daran erinnern lassen, dass Virtuosität bei Liszt kein Blendwerk, kein Selbstzweck ist. Natürlich beherrscht Vinocour den Trillerwahnsinn der Ungarischen Rhapsodie Nr 14 - mit dem größten Vergnügen, vollkommen mühelos; er macht aber auch hörbar, wie viel Witz, Geist, Schöheit in all dem stecken kann. Etwa in den zierlichen Mini-Duetten mit Geige oder Klarinette. Den Jazz, so schien es im Endspurt der Rhapsodie, den hat Liszt auch noch erfunden.
Wagners "Rienzi"-Ouvertüre ist selbst im akustisch ungünstigen Theater Rudolstadt eine Freude, wenn sie so sensibel und vielschichtig interpretiert wird wie von den Symphonikern unter Leitung ihres Chefs Oliver Weder. Etwas fahrig gerieten die ersten Takte von Liszts Symphonischer Dichtung "Tasso"; sie folgte auf eine Ansprache von Rudolstadts Intendanten Steffen Mensching, die im Ton heiter war und in der Sache herb. Noch fehlen dem Orchester zum Überleben Finanzzusagen der kommunalen Träger. Mensching ließ erneut keinen Zweifel daran: Sollten Kündigungen nötig werden, wird er nicht derjenige sein, der sie ausspricht.
Nach der starken Rhapsodie espagnole kam Lev Vinocour erst nach fünf Liszt-Schumann-Zugaben von der Bühne - plus obligater Goethe-Rezitation. Ein wunderbarerAbend.
Listiger Liszt und wagemutiger Wagner
Ostthüringer Zeitung, 26.09.2011
Furioser Spielzeitauftakt derThüringer Symphoniker in Saalfeld und Rudolstadt mit gefeiertem Lev Vinocour Von Sabine Bujack-Biedermann
Saalfeld. Als hätten sie das Ende des Sommers kaum erwarten können: Sie kamen geströmt am Herbstanfang - Musiker wie Publikum, und sie füllten den "Meininger Hof" bis auf den beinahe letzten Platz.
In Rudolstadt, wo das erste Sinfoniekonzert der Spielzeit 2011/2012 einen Tag später gleichfalls umjubelt über die Theaterbühne ging, sind ausverkaufte Ränge Tradition. Werden hier 270 Karten für dieses Ziel verkauft, hat Saalfeld mit 408 Konzertgängern am Freitag die Latte deutlich höher gelegt. Vorsichtshalber trugen Hausmitarbeiter noch ein paar Stühle bei.
Das Großaufgebot von bis zu 58 Musikern auf der Bühne, die schon beim Einzug mit herzlichem Applaus begrüßt wurden, erforderte das Programm, das mit "Franz Liszt, ein Europäer
in Thüringen" überschrieben war. Doch begannen die Symphoniker unter Leitung von Oliver Weder mit wagnerscher Wucht der "Rienzi"-Ouvertüre. Die vier folgenden Liszt-Werke - "Tasso. Lamento e trionfo", die Phantasie über ungarische Volksmelodien, die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 und die Rhapsodie espagnole belegten nicht nur das Motto des Konzertes vom Weltbürger Goethe über den Balaton zur iberischen Halbinsel. Es gab den Symphonikern überdies Gelegenheit, bei allem vom romantischen Überschwang erforderten Zusammenspiel auch solistisch zu brillieren.
Liszt und Wagner, sagte Intendant Steffen Mensching in seinem Wort zum Spielzeitbeginn, seien nicht nur des Jubiläumsjahres anlässlich des 200. Liszt-Geburtstags wegen Programm: "Mit List und Wagemut haben wir es geschafft, dem Land das gleiche (wenige) Geld abzutrotzen. Dies sei aber nur der erste Schritt, denn nun "müssen die Städte und der Landkreis die restlichen Millionen zusammenkratzen",forderte Mensching die Musikliebhaber und Theaterfreunde auf, die Abgeordneten zu ermutigen, bei der richtigen Entscheidung, der Zustimmung zur Finanzierung, die Hand zu heben.
Er erhielt für diese Brandrede fast genauso viel Beifall wie Publikumsliebling Lev Vinocour. Sein Klavierspiel, das die ungarischen Lieder und spanischen Zigeunerweisen von zärtlich bis ekstatisch interpretierte, erwiderten die Zuhörer mit ausdauerndem Applaus. Vinocour antwortete mit fünf Volksliedzugaben. Und nun ist das Volk am Zug mit Zugabe. Sieben weitere Sinfoniekonzerte warten auf ebenso regen Zuspruch wie beim ersten.
Liszt-Jubiläum mit Vinocour
Ostthüringer Zeitung, 26.09.2011
Zum 1. Sinfoniekonzert der Thüringer Symphoniker Von Hans Lehmann
Bereits beim Entree zum 1. Sinfoniekonzert der Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt im Meininger Hof Saalfeld begrüßten Intendant und Musikdriektor die Besucher (407) persönlich. Das Programm-Motto "Franz Liszt - Ein Europäer in Thüringen" war dem diesjährigen Jubiläum gewidmet. Hinzu kam, dass mit de Wahl des Eingangsstückes nicht nur familiäre Beziehungen zum Klingen kamen, denn sein späterer Schwiegersohn Richard Wagner reflektierte wie er Zeitgeist. Die Ouvertüre zu "Rienzi" gab Oliver Weder mit dem Orchester eine wirkungsvolle Gelegenheit, innewohnende Dramatik und romantisches Flair zu präsentieren. Ebenso mit "Tasso. Lamento e trionfo", selten zu hörende sinfonische Dichtung, die Liszt zur Feier zum 100. Geburtstag Goethes 1849 in Weimar komponierte.
Doch die eigentliche Domäne von Liszt als Komponist und Pianist, kam im 2. Teil zu ihrem Recht. Denn wer wäre berufener als Lev Vinocour, zunächst in der "Phantasie über ungarische Volkslieder für Klavier und Orchester" zu brillieren, gefolgt von der populären Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 in der Orchesterversion. Schließlich die Rhapsodie espagnole in der Busoni-Fassung für Klavier und Orchester. Im Orchester ist der Abend geprägt vom Glanz der Blechbläserchöre neben Soli für Violine, Klarinette, und Violoncello, auf dem Klavier Lev Vinocour der umjubelte Star. Zugabe um Zugabe, ungarische Volkslieder von Liszt, der Komponist mitten im Voelvölkerland. Vinocour agiert sicher nicht ohne Grund im neuen Fernsehfilm von ARTE im Orkober als des Komponisten Double.