Hamlet & Horatio
Jugendstück von Jesper B. Karlsen frei nach William Shakespeare (12+)
Premiere am 8. März 2012, theater tumult
Dänemark ist noch immer eine Monarchie. Aber kein dänischer Königssohn wurde je so berühmt wie der Prinz, den Shakespeare erfand und auf die Bühne brachte: Die Rede ist von Hamlet. Sein Landsmann, der dänische Autor Jesper B. Karlsen, interpretiert die weltbekannte Geschichte neu. Kein zaudernder Melancholiker tritt uns da entgegen. »Es war einmal ein glücklicher Prinz« – so kündigt Horatio ihn an. Er und Hamlet sind Freunde. Sie toben, sie lachen, sie kreuzen aus Spaß die Klingen. Die ganze Welt liegt ihnen zu Füßen. Außerdem ist da noch die schöne Ophelia. Plötzlich stirbt Hamlets Vater. In der Nacht erscheint der Geist des Königs auf den Turmmauern und fordert von seinem Sohn Rache für den hinterhältigen Mord. Eine Spirale von Tod und Verderben kommt auf Schloss Helsingör in Gang...
In dieser rasanten »Hamlet«-Version schlüpfen zwei Darsteller, begleitet von einem Musiker, in die zehn wichtigsten Rollen des Stückes. Mit Slapstick, eleganten Dialogen und wilder Hatz erzählen sie die wesentlichen Handlungspunkte. Das junge Duo behauptet sich mit Klugheit und Selbstbewusstsein, während die Väter, Claudius und Polonius, wie bei Shakespeare andere Menschen bedenkenlos als Werkzeuge für ihre Zwecke missbrauchen.
Regie
Norbert Baumgarten
Ausstattung
Katharina Piriwe
Musik
Uwe Steger
Hamlet
David Engelmann
Horatio
Yorck Hoßfeld
Musiker
Uwe Steger
Weitere Termine:
20.05.2012 18:00 Rudolstadt, theater tumult
26.06.2012 11:00 Rudolstadt, theater tumult
27.06.2012 11:00 Rudolstadt, theater tumult
28.06.2012 11:00 Rudolstadt, theater tumult
"Hamlet und Horatio" voller Dynamik
Ostthüringer Zeitung, 10.03.2012
Gefeierte Premiere des Jugendstücks von Jasper B. Karlsen in Rudolstadt
Von Dominique Lattich
Rudolstadt. „So hört sich Stille an.“ Dieser Satz war einer der ersten, den Horatio sagte. Und es sollte auch einer der letzten sein. Zwischen eben jener Stille jagte eine Szene die nächste in einem dynamischen Wechselspiel von „Hamlet und Horatio“, von zwei Freunden, die aus jugendlicher Leichtigkeit herausgerissen wurden, und die eines Tages ein Schwerthieb trennen sollte.
Am Donnerstagabend feierte das Jugendstück von Jesper B. Karlsen (frei nach Shakespeare) im Theater tumult in Rudolstadt Premiere. Unter der Regie von Norbert Baumgarten zeigen David Engelmann in der Rolle des Hamlet und Yorck Hoßfeld als Horatio und nicht zuletzt der Akkordeonspieler Uwe Steger, der zudem in die Rolle des Geistes des toten Vaters Hamlets schlüpft, ein Feuerwerk an Wandlungsfähigkeit. Hoßfeld und Engelmann waren also nicht nur Hamlet und Horatio, sondern unter anderem auch König, Königin Gertrude, des Königs Berater Polonius, sowie seine beiden Kinder Laertes und Ophelia, des Königs Bruder Claudius, Güldenstern und Rosenkranz. Mimik, Gestik und eine Requisite pro Figur − nur diese Mittel hatten die beiden Hauptdarsteller, um in drei Akten die Geschichte Hamlets und Horatios zu erzählen. Mit ihrem leidenschaftlichen Spiel hatten sie schnell die Gunst des Publikums gewonnen.
„Sein oder nicht sein? Das ist hier die Frage“− eines der bekanntesten Zitate aus „Hamlet“ wurde regelrecht in einem Spiel aus Gestik und Licht zelebriert. Neben dieser Ernsthaftigkeit fand sich der Kontrast im Kampf mit Laserschwerten und den aus „Starwars“ bekannten Geräuschen dazu. Der Geist des toten Vaters erschien passend dazu mit einer Darth Vader-Maske. Als Hamlet den Tod seines Vaters rächen soll, naht das Unheil immer mehr.
Was die beiden Freunde zu Beginn des Stückes noch spielen − einen Heldentod − wird letztlich bitterer Ernst. Zwischen einem Giftgemisch des neuen Königs Claudius und einer ebenfalls vergifteten Schwertklinge windet sich Hamlet inmitten eines „Versöhnungsfestes“, das Claudius gab.
Zwischendurch lachten die Zuschauer, amüsierten sich köstlich über den Humor, mit denen die Spieler das Stück präsentierten. Zum Schluss allerdings, als Hamlet in den Armen Horatios lag, waren sie still. So still wie zu Beginn. Und Horatio war allein. „So hört sich Stille an.“