Stück von Steffen Mensching mit Musik von Rolf Fischer (5+)
Premiere am 6. November 2011, Großes Haus
Sie hatten sich so auf die Rente gefreut. Was man ihnen nicht alles versprochen hat: einen Platz am Ofen, Massagen für die lahmen Knochen, gesunde Kost. Nun stehen sie auf der Straße und verstehen die Welt nicht mehr. Als Ersten hat es den Esel erwischt; sein Arbeitgeber, der Müller, setzt auf moderne Technik und schickt den Grauen in den Vorruhestand. Auf seinem Weg nach Bremen begegnet ihm ein Wachhund. Der war einmal ein ganz scharfer. Dann verlor er die Zähne, den Biss und den Job. Das Trio komplettiert die Katze, die, von ihrer Herrin ausgesetzt, ein Opfer von Katzenhaar- Allergie wurde. Alle drei sind ratlos, wovon sie in Zukunft leben sollen. Dann treffen sie auf den Hahn. Der flüchtete aus einer Geflügelzuchtanlage und hat als einziger einen Plan: eine Karriere im Showgeschäft. Doch der gemeinsame Start ins Künstlerleben verzögert sich. Die Räuber sind dabei das geringste Problem. Vielmehr muss vom animalischen Gesangsquartett geklärt werden, wer von ihnen das Supertalent und welcher Song der Beste ist oder ob nicht doch ein Auftritt als Band die größten Chancen bietet.
Die Neubearbeitung der »Bremer Stadtmusikanten« durch Steffen Mensching verknüpft geschickt die zentralen Themen des beliebten Grimmschen Märchens mit heutigen Alltagserfahrungen. Den vier ausgemusterten Tieren kommen beim Kampf um ein schöneres Leben seine flotten Reime, freche Dialoge und tierisch viel Musik zu Hilfe.
Die Bremer Stadtmusikanten im Theater Rudolstadt
Ostthüringer Zeitung, 07.11.2011
Das diesjährige Weihnachtsmärchen erzählt von einer langen Reise ins Showgeschäft. Von Ulrike Kern
Für ihren ersten gemeinsamen Song gab es für die "Animals" gestern im Rudolstädter Theater langen Applaus. Sogar zu einer Zugabe mussten die vier tierischen Stars und ihr menschlicher Manager nochmals auf die Bühne des ausverkauften Hauses.
Über eine Stunde verfolgten die kleinen und großen Zuschauer gespannt die modernere Theaterfassung des Märchenklassikers "Die Bremer Stadtmusikanten" von Steffen Mensching (Regie). Die punktete vor allem durch liebevoll gestaltete Tierkostüme (Sabine Pommerening) und durch einen durchweg gereimten Text, der mit viel Wortwitz und Poesie die bekannte Geschichte transportierte. An die knüpft auch Steffen Mensching mit seiner Fassung weitestgehend an: Der Esel (Johannes Arpe), ein liebenswertes und treues Arbeitstier, wird vom Müller (Yorck Hoßfeld) fortgejagt, weil eine Maschine seine Arbeit viel besser erledigen kann. Der Dalmatinerhund (Miriam Gronau) kann nicht mehr recht laufen und wurde ebenfalls entlassen. "Die alten Nummern kennen die Leute schon, doch wir beide sind eine Sensation", sagen sie sich und machen sich gemeinsam auf den Weg nach Bremen. Die beiden treffen auf die blinde Katze (Anja Barth) und schließlich auf den Hahn (Marcus Ostberg), der aus einer französischen Geflügelmastanlage kommt.
Allesamt wissen nicht, was sie auf ihre alten Tage tun sollen. Aber zumindest haben sie große Pläne. Musikalischer Art. Nun kommen sie nicht an ein schnödes Haus, sondern finden ein schickes Cabrio im Wald versteckt, was ihre Reise nach Bremen ungemein beschleunigen würde. Wenn denn jemand einen Führerschein hätte. Zum Glück können sie den Räuber gemeinsam überrumpeln und haben kurzerhand Chauffeur und Bandmanager in einem dazugewonnen.
Steffen Mensching gelingt eine bunte und sehenswerte Weihnachtsgeschichte mit ganz viel Musik (Rolf Fischer) für Kinder ab 5 Jahre.
Premiere von Die Bremer Stadtmusikanten im Haus der Kunst Sondershausen
Thüringer Allgemeine Zeitung, 23.11.2011
Die Bremer Stadtmusikanten als neu inszeniertes Weihnachtsmärchen erlebte am Dienstag seine Nordthüringer Theater-Premiere. Das Märchen in frischem Gewand zog zahlreiche Kinder in das Haus der Kunst. Über 500 kleine Zuschauer von der Östertalschule, der Förderschule, der Franzbergschle und der Käthe- Kollwitz-Schule waren gekommen, um die Abenteuer von Esel, Hund, Katze und Hahn auf der Bühne mitzuerleben. Von Sebastian Garthoff
Sondershausen. In den Grundzügen unterscheidet sich die Geschichte natürlich nicht von dem bekannten Märchenklassiker: Vier Tiere werden von ihren Herren verstoßen und versuchen sich bis nach Bremen durchzuschlagen, um dort als Musikanten für Furore zu sorgen. Für die Adventszeit hat Steffen Mensching, Intendant des Theaters Rudolstadt, eine witzige Neubearbeitung des Grimmschen Klassikers vorgelegt, das mit Musik, Witz und Charme die Kinder im fast vollen Haus der Kunst von der ersten bis zur letzten Minute für sich einnahm. Nicht per Zufall hat er dem Stück den Untertitel "The Animals" gegeben, in Anlehnung an eine bekannte Band der 1960er-Jahre. Steffen Mensching verknüpft die zentralen Themen des Stückes mit heutigen Alltagserfahrungen.
Der Esel wird auf einmal nicht mehr gebraucht, denn seinen Job erledigen Maschinen schneller und effizienter. Auf seinem Weg nach Bremen begegnet er dem Sangespartner Nummer eins. Weil dieser Wachhund, ein Dalmatiner, Zähne und Biss verlor, fand er sich mir nichts dir nichts auf der Straße wieder. Ähnlich erging es der Katze. Einst gefeierte Sängerin in einer Cocktailbar, wurde sie zur Mäusefängerin degradiert. Dumm nur, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes mit Blindheit beschlagen war. Resultat: Auch sie landete auf der Straße. Und da ist natürlich noch der Hahn.
In der Version von Mensching ein affektierter Franzose, mit dessem Stolz es nicht vereinbar war, von der Geflügelzuchtanlage auf die Schlacht bank zu wandern. Der Start ins Künstlerleben gestaltet sich zwar schwieriger als gedacht, doch am Ende kommen die Bremer Superstars in spe sogar mit dem Räuber zu Rande, der sich dem Quartett anschließt. Menschings flotte Reime und freche Dialoge wurden von viel Musik ergänzt, die von Rolf Fischer eigens für diese Fassung komponiert wurde und die Kinder regelmäßig zum Mitklatschen animierte. Und ihnen gleich noch einen Rat fürs Leben mit auf dem Weg gab über "was man alles schaffen kann, wenn man sich selbst vertraut".