Premiere am 13. März 2010, Schminkkasten
Kochkurse stehen hoch im Kurs. Dabei geht es aber längst nicht mehr um Kalorien, Fette, Kohlenhydrate und Zusatzstoffe. Kochen ist heutzutage Kunst, Kultur, Lifestyle. Sage mir, was Du isst und ich sage Dir, wer Du bist. Fünf Schauspieler und ein Pianist nehmen die kulinarische Herausforderung an und kochen mit und für ihr Publikum. Vorspeise, Hauptgang und Dessert werden öffentlich zubereitet und gemeinsam verzehrt. Köstliche Literatur und Musik verkürzt die Wartezeit zwischen den Gängen. Schlager, Moritaten, Küchenlieder übers Futtern, Vernaschen, Verschlingen, Fressen und Verkosten. Guten Appetit!
Spieldauer: 2h
Rudolstadt, Schminkkasten
Das Küchenlied ist angerichtet
Thüringische Landeszeitung, 15.03.2010
Von Matthias Biskupek
Rudolstadt. (tlz) "Und kaum ist mir der Kerl so satt, / Tut ihn der Teufel zum Nachbarn führen, / Über mein Essen zu räsonieren: / "Die Supp hätt können gewürzter sein, / Der Braten brauner, firner der Wein." / Der Tausendsakerment! / Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent!" Soweit Goethe und einer der Texte im "musikalischen Kochkurs mit Biss" vom Theater Rudolstadt, dargeboten am Samstag im "Schminkkasten".
Wir wollen folglich nimmer räsonieren, sondern feststellen: Zum Titel "Happa, Happa" hat der ortsbekannte Schauspieler Hans Burkia vom bislang unbekannten Gunther Friedrich ein Programm schreiben lassen, in dem Aischa-Lina Löbbert und Alice Flotron sowie Joachim Brunner und Horst Damm singen und sprechen, auch mal tanzen und toben. Kochkursleiterin auf der Bühne ist Verena Blankenburg, die tun und machen, organisieren und kosten muss und mit dem Hollaender-Evergreen "Stroganoff" einen stimmgewaltigen Glanzpunkt setzt.
Eine Prise Valentin
Ansonsten erklingen jene Küchenlieder, die gemeinhin Zutaten solcher Programme sind, eine Prise Karl Valentin, abgerundet mit Lakomy. Manches, was sich Amuse-Gueule schreibt, klingt auf deutsch wie Amüsierkeule. Exkurse gibt es über die Herkunft der Tomate und die Schädlichkeit des Fleisches, und es wird korrekt ans Leid der arbeitslosen Klasse erinnert.
Der Kochkunst-Realismus: Über das ganze Programm hinweg werden aus echten, also biologischen Zutaten Vorspeise, Hauptgang und Dessert gefertigt, es wird geschnippelt und gerührt, sich mal mit Worten und mal mit Gabeln verheddert. Pumpernickel-Gemüse-Toast, Farfalle mit Soße und schokolierte Früchte kommen nicht aus der Kühltruhe, sondern direkt von Arbeitstischen und Töpfen überm Ceran-Kochfeld.
Immerhin werden alle (!) Zuschauer abgefüttert; da der Rezensent aus Gründen das Hauptgericht zur späten Stunde ausließ, mag er wirklich nicht über Supp, Braten und Wein räsonieren, sondern schließt mit Lobpreisungen:
Der Mann am Klavier, Thomas Voigt, hat mehr als nur ein Bier verdient. Er musizierte lustvoll, bot verschmitzte Einwürfe und war so komödiantisch, wie es professionellen Komödianten leider nicht immer gegeben ist. Und da der Abend aus vielen, vielen Zutaten bestand, gilt die Krone dem Requisiteur Lothar Kleisner und den übrigen Technikern. Es ist nicht wenig, was ein rappelvoller Kleintheatersaal verputzt.
Das Essen wurde ohne Eintrittspreis-Zuschlag verabfolgt, also musste reichlicher Beifall diese Finanzierungslücke schließen. Die Theaterpläne einer weisen Landesregierung werden solches einzurechnen haben.