Premiere am 29. Januar 2011 | Großes Haus
»Pension Schöller« gilt als der Schwank unter Schwänken und ist seit seiner Uraufführung 1890 bis heute ein Kassenschlager. Das turbulente Stück, mit wunderbar schrägen Rollen für Schauspieler, strotzt vor temporeichen Dialogen und aberwitziger Situationskomik. Die Folge: Die Schranke zwischen Wahnsinn und Normalität gerät mehr und mehr ins Wanken. »Ha! Ihr wonnt mich nicht hören?! Ihr wonnt nicht, dass ich euch etwas vordeknamiere?! Aber Ihr sonnt noch von mir hören, ihr bnöden Naffen.« In diesem Sinne: Gute Unterhantung!
"Pension Schöller" in Rudolstadt: Dubidubidu
Thüringer Allgemeine, 02.02.2011
Das erste Wort an diesem Abend geht so: "Dubidubidu". Mehr, viel mehr, wird im Grunde auch nicht folgen. Aber es macht, im Ernst, sehr viel Spaß. Von Henryk Goldberg
Rudolstadt. Es ist ein Sonderbares mit diesem Text. Beinahe jeder hat schon einmal von Carl Laufs Mutter aller Possen, Schwänke und Klamotten gehört - und beinahe keiner hat sie je auf einer Bühne gesehen, höchstens im Kino. Der alte Schnokus aus dem Jahr 1890 gilt am Theater als irgendwie ehrenrührig. So etwas tut man nicht. Und da mag Steffen Mensching, der Rudolstädter Intendant, wohl gemeint haben, so etwas tue man wohl - wenn man es kann. Und sie können es. Sie können es auch deshalb ohne Schamesröte, weil sie auch anderes können und machen.
Martin Pfaff lässt eine Bearbeitung von Jürgen Wölffer spielen, einem Sprössling der berühmten Berliner Privat-Theater-Dynastie. Diese Fassung spart ein Bühnenbild ein und fünf Rollen, die niemand vermisst, da war es preiswerter. Und lustig ist es auch.
Nämlich, es will Herr Klapproth aus Kyritz an der Knatter in die Klapper in Berlin. Irrenhäuser sollen so lustig sein. Also verfrachtet ihn sein Neffe in die Pension Schöller, wo allerlei lustig Volk allerlei Schabernack treibt. Der Witz ist die Differenz zwischen den Gästen, die skurril, aber nicht bekloppt sind, und dem Besucher, der zum Bekloppten wird, weil er die anderen für bekloppt hält. Und die ihm schließlich auf die heimische Bude rücken, die steht dann in Kyritz an der Klapper.
Und das klappt. Hier klappen nicht nur, wie ein alter Kritiker-Kalauer geht, die Türen, hier klappt die kultivierte Organisation des Abends. Martin Pfaff lässt, nach verhaltenem Beginn, die alte Dampf-Lust-Maschine hochdrehen, ohne, im Bild zu bleiben, den Druckmesser aus den Augen zu verlieren. Da ist immer, in allem Tohuwabohu, eine ordnende Hand im Hintergrund zu spüren, da ist immer auch Ordnung und Disziplin im Chaos, Rhythmus im Gewühl.
Und, vor allem, Schauspieler. Aus dem deutschen Film von 1960 blieb vor allem Boy "Nuft Cnavigo" Gobert erinnerlich. In Rudolstadt wird es Marcus Ostberg sein. Paff besetzt den Onkel Klapproth jung und, sozusagen, modern, lässig. Jungunternehmer aus der Provinz will mal bisschen sehen, wie sie die Sau rauslassen in der Metropole. Das ist der eigentliche Witz des Abends. Der Junge schreit der komischen Stoffsammlerin, die eher für einen Zeitungsverlag spinnt, verzweifelt die traurige Geschichte seiner Schwester in den Block, mit der es in einem Harem getrieben wurde und die es mit einem Eskimo trieb. Oder so. Im 3. Bild treibt es Ostberg selber wundertoll. Atemlos damit befasst, die ausgebrochenen Irren einzubuchten, wird er selbst zum Irren, zum Irr-Läufer, der unter lauter Jagdtrophäen (Ausstattung Birgit Kofmel) hechelnd herrlich Slapstick treibt.
Nicht nur mit sehr gestrecktem Zeigefinger, mit dem ganzen, beweglichen Körper, der vom mit zunehmender Verzweiflung fester werdenden Hirn gesteuert und getrieben wird. So macht Schauspielerei Spaß.
Und sonst auch. Simon Keel macht den Schauspielanwärter mit dem berühmten N-Effekt, dem die Fniegen in den Hans fniegen, heute wäre er Kandidat für Deutschlands Supertalent. Keel, das macht den Witz, spielt einen etwas traurigen, beinahe normalen Jungen, der halt nur dieses bnöde N nicht kann. Knasse, Herr Keen. Oh, Pardon. Joachim Brunner, der Löwenjäger ist ein wenig wie Karl May im Salon, nur nicht so sächsisch, Verena Blankenburg bebt und dampft, vielleicht ein wenig heftig, vor Schreibenslust. Markus Seidensticker trägt als Major eine sehr undeutsche Uniform und schwer an seinem Schicksal, Horst Damm changiert als Pensionsinhaber, schmal und weiß, zwischen Direktor und Patient, Ute Schmidt, Klapproths Schwester, vermittelt, dass sie nimmt, wer sie nehmen will. Bisschen schwer haben es Ewa Rataj und Valentin Stroh, wer nur nett sein darf, hat es blöd unter lauter Irren.
Natürlich, das bedeutet alles nichts. Dafür macht es Spaß. Auf intelligente Weise.
Juben, Truben, vien Appnaus. Pardon, kommt nicht wieder vor.
Anstalt der Eitelkeiten
Thüringische Landeszeitung, 01.02.2011
Nur die "Fniege" kratzt ein wenig in der Kehle: Rudolstadts "Pension Schöller" bebt im Sturm der Heiterkeit. Von Frank Quilitzsch
Rudolstadt. Wahnsinn! In Rudolstadt gehen die Protagonisten in Gelächter unter. Das Publikum tobt, klatscht sich auf die Schenkel und putzt die lachtränenfeuchten Brillengläser. "Schinner, Kneist, Nessing", ruft der angehende Schauspielstudent Eugen mit dem Textbuch von "Romeo und Julia" um den Hals, "tonne Ronnen!" Der arme Kerl kann kein L aussprechen, und sein Sprachfehler wird zum running gag. Eugen, köstlich parodiert von Simon Keel, ist nicht der einzige, der hier aus dem Rahmen fällt. Um ihn herum nichts als schräge, schrille, irre Typen! Am Ende droht das Bühnenbild auf alle herabzustürzen. Bravo! Kunst kommt von Können, und dies gilt erst recht für eine Posse wie "Pension Schöller".
Freilich hat das 1890 von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby verfasste Volksstück einen längeren Bart - allein sieben Verfilmungen, die bekannteste von Georg Jacoby 1960 mit Theo Lingen. Doch kommt es am Theater Rudolstadt überraschend frisch daher. Die Idee, Wahn und Wirklichkeit miteinander zu vermischen, wurde in eine amüsante Geschichte gepackt: Philipp Klapproth aus Kyritz (Marcus Ostberg) ist auf einem Kurztrip in Berlin und möchte unbedingt eine Nervenheilanstalt besichtigen. Sein klammer Neffe Alfred (Valentin Stroh) hofft auf finanziellen Beistand und erfüllt ihm den Wunsch. Doch die Insassen rücken dem Besucher so sehr auf die Pelle, dass er das Weite sucht. Was Philipp nicht ahnt: Die "Verrückten" sind gar nicht verrückt, sondern Gäste der Pension Schöller, die Alfred kurzerhand zur Anstalt erklärte.
Techtelmechtel der Eitelkeiten
Nach einem kalauernden Einstieg nimmt die Inszenierung von Martin Pfaff rasch Fahrt auf. Die irre Begegnung findet im 70er-Jahre-Café unterhalb der Pension statt, wo Bühnenbildnerin Brigit Kofmel Wahlscheibentelefone über die runden Tischchen verteilt hat. Hier versammeln sich die illustren Gäste zum Gesellschaftsabend, und mit dem Onkel erlebt auch der Zuschauer ein Techtelmechtel der Eitelkeiten.
Ein Löwenjäger (Joachim Brunner) fällt im Pyjama über Klapproth her, ein abgehalfterter Major, der im zivilen Leben nicht Fuß fassen kann (Markus Seidensticker), lässt ihn strammstehen, die hysterische Bestsellerautorin (Verena Blankenburg) quetscht ihn aus wie eine Zitrone. Dazu der schüttere Pensionsdirektor (Horst Damm) samt in Männerkleidern kellnernder Tochter (Ewa Rataj). Außenseiter, Schwärmer, Möchte-gern-Künstler - glänzend besetzt. In Klapproths Kyritzer Jagdhütte werden sie kurz weggesperrt. Da klappt alles, von der Tür bis zur Rolle vorwärts, wie am Schnürchen.
Keels verhinderter Bühnenheld, der den Kultsatz "Mir ist eine Fniege in den Hans gefnogen" sagen darf, kennt auch "Heiner Münner", aber leider nicht Frank Castorf. Der Berliner Volksbühnen-Intendant hat 1994 die "Pension Schöller" mit Heiner Müllers Stück "Schlacht" zu einer makabren Kleinbürgerparabel verschmolzen, die auch die Rolle der Unterhaltungsindustrie im "Dritten Reich" entlarvte. Man muss ja nicht gleich - wie Castorf - mit volksdeutschem Kartoffelsalat ins Publikum feuern. Aber dass das Theater Rudolstadt zur problemfreien Zone erklärt und so gar kein Widerhaken, nicht mal ein Stachel gesetzt wird, enttäuscht. Wenigstens entfährt Seidenstickers Major die Formulierung "unwürdiges Menschenmaterial". Sonst kratzt nur die Fliege im Hals. "Nuft! Nuft!" stöhnt Eugen.
Kein Abend zumTotlachen
Freies Wort, 01.02.2011
Sage und schreibe 120 Jahre hat es gedauert, bis die angeblich Irren aus demLustspielkracher „Pension Schöller“ erstmals über die Rudolstädter Theaterbühne poltern dürfen. Ganz schön verrückt, eigentlich. Von Peter Lauterbach
Schwer lässt sich nämlich bestreiten, dass der Herberge mit dem stinknormalen Namen „Schöller“ ein Ruf vorauseilt, der nahezu perfektes Amüsement prophezeit. Kundiges Komödienpublikum weiß daher schon bei der Abgabe der Garderobe, was es vom verrückten Treiben in jenem Etablissement erwartet: Es möchte sich totlachen in den Sitzreihen – sinngemäß natürlich.
Landauf, landab wird die 1890 von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby ersonnene Klamotte zum Besten gegeben. Und oft rührt sie dabei zu Tränen: Wenn Herr Klapproth – Gutshofbesitzer vom Lande – in der großen Stadt Berlin auf eigenenWunsch hin Verrückte aus nächster Nähe erlebt, dann finden das alle urkomisch. Weil ja jeder selbst ein bisschen Klapproth ist. Der eine mehr, der andere weniger. Offenbar ist der Mensch so gepolt, dass ihm nichts faszinierender erscheint als der Blick ins Irrenhaus. Sieht man ja beim Dschungelcamp. Nur dass dort richtig Irre im Busch hocken, während Herr Klapproth nur die etwas seltsamen Gäste der Pension Schöller kennenlernt. Doch auch deren Macken sind irgendwie geil.Warum? „Intelligenz hat Grenzen, Verrücktheit nicht“, meinte einst der französische Regisseur Claude Chabrol.
Im Intendantenzimmer am Fuß der Heidecksburg fand man den Urberliner Witz der „Pension Schöller“ bislang offenbar wenig lustig. Erst nachdem es sich der Berliner Steffen Mensching dort eingerichtet hat, kam das Stück auf den Spielplan – 120 Jahre und knapp vier Monate nach der Uraufführung. Gerade deswegen aber ist es kein Selbstläufer. Was oft gespielt wird, ist auch abgelutscht. Es braucht eine zündende Idee und talentierte Komödianten.
Letztere sorgen dafür, dass „Pension Schöller“ in Rudolstadt nicht zum faden Klamauk gerät. Denn Regisseur Martin Pfaff scheut sich vor einem pfiffigen Sujet für seine Inszenierung. Ein braun getäfelter Kneipenraum im Erdgeschoss der Pension, ein Rüschenvorhang, roter Fußbodenbelag – da ist ihm schon optisch nicht viel eingefallen. Dass der Kyritzer Gutshofbesitzer Philipp Klapproth für seine leer stehende Immobilie die Einrichtung eines Nervensanatoriums in Erwägung zieht, könnte ihn zu einer Art Investormachen. Neue Bundesländer oder so. Viel mehr lässt sich nicht in Erfahrung bringen. Also blickt man erwartungsvoll auf die Pensionsgäste. Den Mayor a.D. von Mühlen (Markus Seidensticker) – der noch immer brüllt wie auf dem Kasernenhof. Die Schriftstellerin Josephine Zillertal (Verena Blankenburg) – Autorin einiger Schmalzschinken. Den Wissenschaftler Prof. Bernhardy (Joachim Brunner) – offenbar weit gereist und überall nur knapp mit dem Leben davongekommen. Den angehenden Schauspieler Eugen (Simon Keel) – der statt „l“ nur „n“ sagen kann und alle außer sich selbst für „bnöde Naffen“ hält. Jeder hat hier so seine Macke. Alfred, demNeffen Philipp Klapproths (Marcus Ostberg) und seiner Angebeteten, dem Pensionstöchterchen Franziska (Ewa Rataj), fällt es nicht schwer, dem Onkel die Pension als Klapse zu verkaufen. Damit der schon mal gucken kann, ob das mit dem Nervensanatorium wirklich ne gute Idee ist. Und wirklich: Klapproth hat Spaß – jedenfalls bis sich zu Hause in Kyritz allerlei Besuch aus Berlin einstellt.
Mühsam schleppt sich Pfaffs Inszenierung der Posse durch die erste halbe Stunde. Lange Minuten, bis sich alle Pensionsgäste auf der Bühne vorgestellt haben. Erst kurz vor der Pause beginnt eigentlich das Spiel. Dann aber ist das Rudolstädter Ensemble in Fahrt und man möchte sie am liebsten gar nicht mehr bremsen. Marcus Ostberg hat übrigens den größten Anteil an diesem Abend. Nimmermüde wie einst Louis de Funès wirbelt er über die Bühne. Schade, dass diese Energie erst zumSchluss freigesetzt wird. So reicht der Abend dann doch nicht ganz zum „Totlachen“.
Du bist so bnass Nuiese!
Ostthüringer Zeitung, 31. Januar 2011
Premiere in Rudolstadt: „Pension Schöller“ begeistert Publikum
Von Angelika Bohn
Die Verfilmung von 1960 mit Theo Lingen als Berliner Pensionswirt Schöller ist Älteren vielleicht noch gut in Erinnerung. Der elegante Boy Gobert spielte damals den auf die Bühne drängenden Eugen, der kein L sprechen kann. „Du bist so bnass Nuiese!“ − Die Ferdinande haben es in „Kabale und Liebe“ seither schwerer.
Als Ferdinand stand Simon Keel in Rudolstadt übrigens schon auf der Bühne. In „Pension Schöller“ nun darf er mit der bnassen Nuiese glänzen und die Bedienung rufen. Von „Kennner, zahnen!“ (Kellner zahlen) bis Near (Lear) von Shakespeare – optisch erinnert der Rudolstädter Eugen an Diether Krebs, wenn er „Ich bin der Martin, ne“ sang, was die Verzweiflung des vermeintlich durch einen tückischen Zufall in seiner Karriere behinderten Schauspielers nur steigert.
1890 in Berlin uraufgeführt, sieben Mal verfilmt − dem Autorenteam Carl Laufs und Wilhelm Jacoby ist mit der Posse „Pension Schöller“ geglückt, was in der deutscher Lustspiellandschaft rar ist: ein Best- und Longseller. Seit 120 Jahren lacht das Publikum über die Gags, Kalauer und Verwechslungen. Und genau das tat es auch am Sonnabend zur Premiere „Pension Schöller“ im Theater Rudolstadt. Es honorierte die Inszenierung mit Lachsalven, Szenenapplaus und Beifall über Beifall nach dem letzten Vorhang.
Gespielt wird in Rudolstadt die „Schöller“-Bearbeitung vom legendären Berliner Theaterchef Jürgen Wölffer. Die Besetzungsliste ist auf neun Rollen geschrumpft. Die „Pension Schöller“ bewohnen − außer dem Pensionsinhaber Schöller (Horst Damm), seiner Tochter Franziska (Ewa Ratay) und seinem Mündel Eugen (Simon Keel) − ein Mayor a.D. (Markus Seidensticker), die Schriftstellerin Josephine Zillertal (Verena Blankenburg) und der weltreisende Wissenschaftler Prof. Bernhardy (Joachim Brunner).
Dem schüchterne Alfred Klapproth (Valentin Stroh) fehlen die Mittel, um in Berlin ein Café zu eröffnen. Sein reicher Onkel Philipp Klapproth, Gutshofbesitzer aus Kyritz (Marcus Ostberg) will ihm das Geld geben, wenn er ihm Zutritt zu einer Irrenanstalt verschafft. Zum einen, um am Stammtisch mit irren Erfahrungen angeben zu können, zum anderen um eventuell in Kyritz ebenfalls eine Anstalt zu eröffnen.
Um die Geldquelle zu erschließen, überredet der Schöllersche Kellner Franz alias Pensionstochter Franziska Alfred, dem Onkel weiszumachen, bei der Pension Schöller handele es sich um ein Privatsanatorium. Könnten doch der streitsüchtige Militär, der weltreisende Großwildjäger und die auf Schauergeschichten versessene Schriftstellerin durchaus auch als Verrückte durchgehen und Schöller selber und sein Mündel mit dem L-Fehler sowieso.
Aus dieser Konstellation saugt die Posse Honig. Der sensationssüchtige Philipp Klapproth erlebt genau das, was zu erleben er ersehnt: einen Käfig voller Narren. Marcus Ostberg, der für die Klapproth-Rolle eigentlich zu jung und zu schlank ist, macht das vorzüglich. Er spielt den Onkel aus der Provinz mit der Coolness eines Brokers. Da ist einer der Dumme, weil er eben nicht dumm ist. Weil er um die Ecke denkt, die Flöhe husten und das Gras wachsen hört. Sowieso berührt die Inszenierung von Martin Pfaff nicht nur die − nie eindeutig zu beantwortende − Frage nach der Grenze zwischen normal und verrückt. Sie stellt auch die Konstellationen auf den Kopf. Die Pensionsbewohner machen keineswegs jenen weltgewandten, großstädtischen oder wenigsten großmäuligen Eindruck, den man von Berlinern erwartet. Im Gegenteil. Sie wirken eher bodenständig in ihrer stringenten Art, ihren Leidenschaften zu frönen oder ihre Wunden zu lecken. Diesen Eindruck unterstreicht Birgit Kofmel (Ausstattung) mit bieder-bunten Outfits und dem 60er Jahre Ambiente der Pension. So gar nicht zum smarten Klapproth passen will dagegen dessen Kyritzer gute Stube à la Honecker-Jägerzimmer. Dort stellen sich bei ihm und seiner Schwester Ida (Ute Schmidt) nach der Pause die Insassen der Pension Schöller ein. Was Klapproth gar nicht mehr lustig findet, das Publikum dafür um so mehr.