Premiere am 28. Januar 2012, Großes Haus
Zeit seines Lebens musste Othello um Recht und Anerkennung kämpfen. Zunächst wegen seiner Hautfarbe und dann, als er zu Macht kam, trotz seiner Hautfarbe. Jeder seiner Schritte, jeder seiner militärischen Erfolge wird genau registriert. Ungeachtet aller Widerstände hat er es bis zum General der venezianischen Armee geschafft. Selbst die attraktive Desdemona, Tochter des Senators, durfte der Immigrant heiraten. Othello ist klug, mutig, lauter und glaubt an die Rechtmäßigkeit seines Anspruchs. Diese Naivität macht ihn verletzlich. Sein Mitstreiter und Freund, der Fähnrich Jago, fühlt sich durch ihn betrogen. Er und nicht Cassio hätte die Beförderung zum Leutnant verdient! Also plant er eine Intrige, denn »man wirkt durch Witz und nicht durch Zauber«. Er schwört sich, Othello zu vernichten, indem er eine Liebschaft zwischen seinem Konkurrenten Cassio und Desdemona erfindet.
Shakespeares Werk aus dem Jahr 1604 ist ein tödliches Spiel um Ehre, Vertrauen, Eifersucht und hemmungsloses Karrieredenken, das über Leichen geht. Am Ende steht der vollständige Zusammenbruch einer sozialen Ordnung und die Frage, was ist mächtiger: die Liebe oder der Hass? »Othello« leitet die Reihe der großen Tragödien ein und ist, von seinen Ereignissen her, das einzige direkte Gegenwartsstück des »King of Drama«.
Spieldauer: 1 h 50 | keine Pause
Machtgedanken eines Migranten
Thüringische Landeszeitung, 30.01.2012
Man kann die Ironie förmlich mit Händen greifen, mit der sich Carlos Manuel "Othello" vorgenommen hat, ist pikiert - und lässt sich packen. Manuel überblendet in fast filmischer Manier die Schnittstellen, und plötzlich ist aus belangloser Kirmes bitterböser Ernst geworden. Von Franziska Nössig
Rudolstadt. So viel heiteres Humptata ist selten für einen "Othello", und Carlos Manuel hat in Rudolstadt den Regler extra bis zum Anschlag aufgedreht: Mit deutschen Schlagern und Tröten im Munde und Party-Hütchen auf dem Kopf feiern Othellos Männer die Hochzeit des venezianischen Generals mit Desdemona. Die nächste Schlager-Attacke folgt beim Richtkranz-Setzen für ihr nettes Häuschen. Von der biederen Hochzeitssause mit Ratskeller-Charme geht's direkt ins bürgerliche Heim mit Spitzengardinen und Blümchentapete.
Man kann die Ironie förmlich mit Händen greifen, mit der sich der Regisseur Shakespeares "Othello" vorgenommen hat, ist pikiert - und lässt sich packen: Wann wohl wird er seine Interpretation aus dieser Ironie-Maske herausschälen? Nun, der neugierig Lauernde lauert vergebens: Manuel, der in Rudolstadt 2010 "Maria Stuart" inszenierte, überblendet in fast filmischer Manier die Schnittstellen, und plötzlich ist aus belangloser Kirmes bitterböser Ernst geworden.
Seine nicht ganz zweistündige Inszenierung am Theater Rudolstadt, zur Premiere am Samstag mit reichlich Applaus bedacht, reduziert das Stück auf die Essenz: Der bei einer Beförderung übergangene Jago (David Engelmann) will sich an dem General Othello (Benjamin Griebel) rächen und entfacht Eifersucht in ihm, indem er vorgibt, seine Frau Desdemona (Miriam Gronau) betrüge ihn mit seinem ersten Offizier (Yorck Hoßfeld). Othello, aus Argwohn blind für die Realität, tötet sie.
Auch wenn dieser Konflikt als Drama häuslicher Gewalt eskaliert und Desdemona vor der Blümchentapete zu Tode gewürgt wird, so streift der Regisseur das Eifersuchtsdrama nur am Rande. Im Zentrum seines Ansatzes steht nicht der aufrichtige Held Othello, sondern ein von Machtgedanken besessener sozialer Aufsteiger, ein integrierter Migrant, der sich aus Angst um seinen Status zum Äußersten treiben lässt.
Blackface-Prolog
Benjamin Griebel spielt ihn zunächst als kühlen Manager, für den die Hochzeit zum Geschäft gehört und der immer wieder in ironische Distanz tritt zu dem Gewusel um ihn herum. Dann plötzlich wird er zum Berserker, weil ihm die Dinge entgleiten, die er glaubte geregelt zu haben. Kühl, und als Bösewicht eigentlich zu sehr gefasst, ist auch David Engelmann als Jago. Miriam Gronau dagegen gibt Desdemona als unbeschwertes, stereotypes Mädchen in weißen Turnschuhen und Leggins.
Die Rassismus-Thematik, ohne die ein moderner "Othello" kaum noch denkbar ist, setzt Carlos Manuel dem Zuschauer als Prolog vor: Im Stil des Blackface wankt Benjamin Griebel mit braungeschminktem Gesicht auf die Bühne und gebärdet sich als "typischer Neger", der minderbemittelt aber ach so gutmütig radebrechend Bühnen-Clown und Conférencier gibt. Dann wischt er sich die Farbe aus dem Gesicht und referiert im besten Saallicht über den ad acta gelegten Kolonialismus vergangener und den salonfähigen rassistischen Humanismus heutiger Tage. Nicht zuletzt spielt Carlos Manuel damit auf die erst wenige Wochen alte, umstrittene Berliner Inszenierung von "Ich bin nicht Rappaport" an, in der der Weiße Joachim Bliese als Schwarzer geschminkt auftritt.
Manuel unterwandert und dekonstruiert Konventionen und Wohlbekanntes, provoziert schlau und stimmig. Er lässt Othello am Leben, der statt sich selbst Jago und Cassio tötet und nun auf seine Tat zurückblicken wird. Dafür ist die ermordete Desdemona plötzlich wieder lebendig, jenseits aller Erwartungen gehen sie und Othello ihrer Wege. Vorher schlägt sie noch das traute Heim kurz und klein.
Europäisches Fleisch und Blut
www.nachtkritik.de
von Christian Baron auf www.nachtkritik.de
Rudolstadt, 28. Januar 2012. Nein, mit dem Vorwurf des Rassismus will man auf gar keinen Fall konfrontiert werden. Wie sehr die künstlerische Leitung der Rudolstädter Othello-Inszenierung die Angst vor dieser Vorhaltung im Nacken sitzt (gerade in Thüringen, der Keimzelle des neuen Rechtsterrorismus) zeigt der vor politischer Korrektheit triefende Prolog. Hauptdarsteller Benjamin Griebel tritt mit schwarz bemaltem Antlitz auf und gibt den ebenso lustigen wie stupiden "böses N-Wort", bevor er ein Taschentuch zückt, damit die Farbe im Gesicht verwischt und zu einer moralinsauren Rede über den in Europa salonfähigen "rassistischen Humanismus" wütet. All das mag eine Reminiszenz sein an das im Januar unter Einsatz der rassistischen Blackface-Maskerade im Berliner Schlosspark-Theater zur Aufführung gelangte und teilweise heftig kritisierte Stück "Ich bin nicht Rappaport".
Ein korrumpierter sozialer Aufsteiger
Andererseits jedoch fügt sich dieses Vorspiel, in dem der strukturelle Rassismus in Europa mit der brutalen Ausbeutung des afrikanischen Kontinents verknüpft wird, nahtlos in Carlos Manuels Version von Shakespeares Klassiker. Mit kaum mehr als 100 Minuten Spieldauer hat der gebürtige Angolaner die Vorlage auf das aus seiner Sicht Wesentliche gekürzt – und das ist die bis heute gültige politische Dimension der Tragödie.
Sein Othello ist nicht etwa edel und aufrichtig, sondern ein durch die Macht korrumpierter sozialer Aufsteiger. Er hat es zum General der venezianischen Armee gebracht und in Desdemona (Miriam Gronau) eine Frau, um die ihn viele beneiden. Auch Rodrigo (Johannes Arpe) liebt Desdemona, weshalb er gemeinsam mit dem bei einer Beförderung übergangenen Jago (David Engelmann) in einer Intrige Othello gegen dessen Offizier Cassio (York Hoßfeld) und Desdemona aufbringt. Im Zuge derer Othello seine Frau im Eifersuchtswahn erdrosselt.
Nicht nur Eifersucht
Am Ende weicht Manuel deutlich von Shakespeare ab. Erstens tötet Othello nicht nur seine Gemahlin, sondern zeichnet auch für das Ableben Jagos und Cassios verantwortlich. Zweitens erdolcht er sich schlussendlich nicht voller Edelmut in poetischer Gerechtigkeit selbst, sondern blickt als einziger Überlebender auf sein Werk des Schreckens, zu dem ihn eben nicht reine Eifersucht getrieben hat, sondern sein machtbewusster Habitus, ohne den er erst gar nicht in diese privilegierte Position gekommen wäre.
Dass man diese offensichtliche Intention der Inszenierung nicht erst an deren Ende erkennt, ist an erster Stelle Benjamin Griebels Verdienst. Ihm gelingt es, seinem Othello auf eine Weise Leben einzuhauchen, die es dem Zuschauer leicht macht, in ihm keinen gütigen Helden zu sehen, sondern einen durch Statusangst Getriebenen, dessen Emphase in jedem seiner Worte bis in die hinterste Publikumsreihe fesselt. Gleiches gilt in abgeschwächter Form auch für Miriam Gronau, Johannes Arpe und York Hoßfeld. David Engelmann vermag man den Jago hingegen nicht abzunehmen. Keinerlei differente Persönlichkeitsmerkmale, keinerlei emotionales Temperament finden sich in seinem Spiel, nur dumpfer Nationalismus und blinder Hass. Mag sein, dass er es von allen Akteuren am schwersten hat, weil ihm die Rolle des natürlichen Bösewichts genommen wurde.
Verschanzung hinter westliche Werte
Das Bühnenbild wäre dank der Darbietung des Ensembles sicher auch ohne das simple dekonstruktive Element des "Haus bauen – Haus kaputt hauen" ausgekommen. Auch die Betonung der Deutschtümelei wird durch allzu viel Schlager-Singsang übertrieben (Wolfgang Petry, Westernhagen und – natürlich – Roberto Blanco). Die dezent und auffällig zugleich anmutende Kostümierung wirkt dagegen stimmig. Mit Desdemona und Jagos Ehefrau Emilia (Ulrike Knobloch) kommen die Damen in einer stereotyp-mädchenhaften Aufmachung daher, welche die sexistischen Rollenklischees über die Sprache hinaus auch optisch in den Vordergrund und sie so zugleich zur Disposition stellen. Die Herren sind dem in geschniegelten Maßanzügen exakt gegenübergestellt und offenbaren damit obendrein jenen Schein von Demokratie und Vernunft, den die vermeintlich zivilisierten Europäer so krampfhaft zu wahren versuchen.
Dabei entlarvt gerade die Tatsache, dass Othello ein perfekt integrierter, ja assimilierter Migrant ist, die sich hinter "westliche Werte" verschanzende Heuchelei des längst jedem europäischen Durchschnittsmenschen in Fleisch und Blut übergegangenen Spätkapitalismus neoliberaler Prägung, der tendenziell den Wert aller menschlicher Beziehungen nach ökonomischen Kriterien misst und jede Form von Solidarität und Mitleid gänzlich suspendiert. Würde man jenen Kern, den Carlos Manuel aus dem komplexen Textgeflecht des Originals herausarbeitet, prägnant und zeitgemäß formuliert auf den Punkt bringen, ergäbe sich eine Mischung aus Michael Jacksons "No Matter if you're Black or White" und den marxistischen Evergreen "Das Sein bestimmt das Bewusstsein". Pop und Revolution – für diese Inszenierung jedenfalls eine gelungene Mischung.
Wer hat hier zur Nacht gebetet?
Kyffhäuser Nachrichten/ Neue Nordhäuser Zeitung, 05.05.2012
Ein Stück aus den Top 100 der Weltliteratur, Shakespeares Vorzeigetragödie "Othello", hatte gestern am Nordhäuser Theater in einer Inszenierung des Theater Rudolstadt Premiere. Und es war wahrlich keine leichte Kost, die da serviert wurde. Für die nnz saß Olaf Schulze im Saal.
Zum Programmheftchen gibt es einen Begleitzettel, der besagt, dass die Inszenierung nunmehr nur noch 1 Stunde und 50 Minuten dauert und es keine Pause gibt. Das ist aussagekräftig und deutet daruf hin, dass es von der Inszenierung differierende Meinungen im Auditorium gab. Oder nach der Pause in Rudolstadt der eine oder andere Platz im Zuschauerraum leer blieb. Diese Chance hatte das Nordhäuser Publikum gestern Abend nicht. Einige Zuschauer machten ihrem Unmut allerdings mit theatralisch lautem und Türen knallenden Verlassen der Vorstellung Luft.
Unmut worüber? Über klischeehafte Erwartungen, die nicht bedient wurden? Weil die Schauspieler schlecht waren? Die Kostüme? Die Inszenierung? Weil Shakespeares Stück nicht mehr zu erkennen war?
An den Schauspielern lag es mit Sicherheit nicht. Die wurden nach ihrer engagierten Leistung am Ende völlig zu Recht mit warmem Applaus belohnt. Die Kostüme (Ausstattung von Vincent Gertler) waren wohl modern, aber nicht so grässlich, dass man deshalb den Saal hätte verlassen müssen. Doch die Inszenierung machte einem Teil des Publikums zu schaffen. Wobei hier unterschieden werden muss zwischen inszenatorischer Absicht und handwerklichem Geschick.
Absicht der Regie war es, uns die mannigfaltigen Ungerechtigkeiten der Welt vor Augen zu führen. Beispielsweise den Rassismus und die Arroganz der weißen Rasse gegenüber der schwarzen. Neid und Missgunst war ein großes Thema, heute nennen wir es auch Mobbing und haben täglich im Kollegenkreis damit zu tun. Häusliche Gewalt schließlich ist gestern veranschaulicht worden - Prügel, Notzucht, Vergewaltigung, Totschlag.
Das alles steht auch im "Othello" – irgendwie. Und so wie sich einst Shakespeare (oder der, der Shakespeares Werke schrieb) sehr freizügig einer italienischen Renaissance-Novelle als Vorlage bediente, so nutzen Regisseur Carlos Manuel und Dramaturg Thorsten Bihegue jetzt den Shakespeare-Text, um sich herauszupicken, was ihnen heute davon wichtig scheint. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn es nicht mit einer schon realsozialistisch anmutenden Didaktik daher käme. Anstelle des guten alten Holzhammers wird in einer "modernen" Inszenierung jedoch der Baseballschläger verwendet. Mit diesem wird am Ende das während der Inszenierung Stück um Stück errichtete Eigenheim der Familie Othello zerschlagen. Was für ein Bild! Und wie überflüssig.
Die Inszenierung gewinnt immer dann an Spannung, wenn die Protagonisten ernsthaft miteinander sprechen. David Engelmann ist ein brillanter, aalglatter Jago, der jede sich bietende Gelegenheit nutzt, um seine Rache und abgründigen Hass in die Tat umzusetzen. Wie er dem leichtgläubigen Othello Tropfen um Tropfen seines Giftes ins Ohr träufelt, wie er den weichlichen Leutnant Cassio und den unglücklich in Othellos Frau verliebten Rodrigo manipuliert, das verdient Respekt.
Miriam Gronaus Desdemona wandelt zwischen Partygirl und listiger Moderatorin, immer auf der Höhe des Geschehens. Benjamin Griebel gibt einen anfangs prall lebenden und liebenden, später zerrissenen und gefährlichen Othello und auch die Offiziere York Hoßfeld (Cassio) und Rodrigo (Johannes Arpe) sowie der Herold (Markus Seidensticker) wussten zu gefallen – wenn sie nicht schreiend und grölend über die Bühne rennen mussten, was oftmals keinen erkennbaren Grund hatte und die Handlung sinnlos aufhielt.
Das Ende ist dann trotz Othellos Frage an seine Gattin, ob sie bereits zur Nacht gebetet habe, nicht unbedingt das, was Shakespeare vorgegeben hat. Allerdings haben da außer dem Rudolstädter Team Manuel/Bihegue schon ganz andere den Ausgang der Geschichte nach ihrer Fasson verbogen. Weniger Gesang, Gerenne und inszenatorische Unterbrechungen mit untauglichen Mätzchen hätten gestern Abend eine bessere Inszenierung ergeben. Schade, die Ansätze waren da.
Ein Mörder für ein Taschentuch
Ostthüringer Zeitung, 30.01.2012
Premiere von Shakespeares Othello im Rudolstädter Theater. In der Regie von Carlos Manuel wird das 400 Jahre alte Stück in die Gegenwart geholt. Von Ulrike Kern
Rudolstadt. Ist der Stachel der Eifersucht erst gut platziert, bohrt er sich wie ein Widerhaken immer tiefer in Fleisch und Kopf, wo er Menschen zu allem fähig sein lässt. Auch dazu, aus blinder Wut und Rache grundlos das Liebste zu töten.
Shakespeares "Othello" ist solch ein Paradebeispiel, und die 1604 geschaffene Tragödie wahrscheinlich das meistgespielte Drama um Intrigen, Eifersucht und Mord im Kino und auf Theaterbühnen überhaupt.
Am Sonnabend feierte das Stück am Rudolstädter Theater eine weitere Premiere in der Inszenierung von Regisseur Carlos Manuel, der schon 2009 wegen seiner unkonventionellen "Maria Stuart" in Rudolstadt für Diskussionen sorgte. Auch bei "Othello" schaffte er etwas Neues. Noch immer ist das Stück zweifelsfrei Shakespeare nach Handlung und Aussage. Doch mit Bühnenbild, welches noch während der Vorstellung aus Sperrholzplatten weiter zusammengebaut wird, modernen Kostümen (Ausstattung: Vincenz Gertler), Musikeinspielungen und Baseballschläger holt Carlos Manuel seinen "Othello" und das Publikum für knappe zwei Stunden in die Gegenwart und erntet dafür zur Premiere kräftig Beifall.
Angemessen ist das wohl, auch wenn der eine oder andere Zuschauer sich vielleicht einen traditionelleren Shakespeare gewünscht hätte. Doch die Handlung ist heute so aktuell wie damals, und eine solch gut gesponnene Intrige noch immer zerstörerisch.
Gespielt von einem durchweg jungen und äußerst spielfreudigen Rudolstädter Ensemble wird die berühmte und zugleich traurige Geschichte des schwarzen Generals und Aufsteigers Othello (trotz aller Brutalität sympathisch: Benjamin Griebel), der seine große Liebe und frisch Angetraute Desdemona (klug, witzig und liebenswert: Miriam Gronau) eigenhändig ermordet, weil sie ihn mit dem jungen Leutnant Cassio (York Hoßfeld) betrogen haben soll. Eingepflanzt hat ihn dieses haltlose Gerücht Jago (David Engelmann), der in der Gunst des Herrn nur in die zweite Reihe gerückt ist. Seinen Platz in der militärischen Rangordnung füllt stattdessen der unerfahrene Cassio aus.
Den Rivalen zu vernichten, den Herren so unter Druck zu setzen, dass er zum Morden bereit ist und aus purer Freude daran alles "Strahlende zu schwärzen" schmiedet dieser überzeugend fiese Jago seinen Plan. Als Beweisstück dient ihm ein Taschentuch, das Desdemona verliert. Als Othello es schließlich in Cassios Händen findet, ist er von der Untreue seiner Frau überzeugt und das Morden beginnt.
Trotz aller Tragik der Handlung gelingt dem Regisseur ein origineller, intelligenter und mitunter sogar komischer "Othello", der, wenn man sich frei macht von Erwartungen, durchaus einen gelungenen Theaterabend verspricht.